Sechs Stadtentdecker-Projekte nach Corona-Pause präsentiert

Die Stadtentdecker gibt es seit 2013 als gemeinsames Projekt des Ministeriums für Infrastruktur und Landesplanung mit der Brandenburgischen Architektenkammer. Trotz der durch die Corona-Pandemie erschwerten Bedingungen haben sich im Programmjahr 2020 elf Schulen mit Stadtentdeckerprojekten beteiligt. Vier Schulen präsentierten ihre Ergebnisse noch im vergangenen Jahr, ein Projekt konnte nicht zu Ende geführt werden. Sechs Schulen haben ihre Projekte noch vor den Ferien vorgestellt.

Infrastrukturminister Guido Beermann: „Ich freue mich, dass es den restlichen sechs Schulen nach der Schulöffnung gelungen ist, ihre Ideen und Modelle öffentlich zu präsentieren. Stadtentwicklung geht alle an, auch Kinder und Jugendliche. Mit dem Projekt wollen alle Beteiligten Schülerinnen und Schüler auf dem Land und in der Stadt dafür begeistern, sich mit ihrem baulich gestalteten Lebensumfeld zu beschäftigen. Dazu gehören neben ihrem Zuhause und der Schule auch die Straßen und Plätze, auf denen sie ihre Freizeit verbringen. Sie sollen auf Entdeckungsreise gehen und die Möglichkeit haben, die Zukunft ihrer Stadt verantwortungsbewusst mitzugestalten. In dem Projekt können sie mit fachkundiger Begleitung ihre Stadt sozusagen mit professionellem Blick ansehen und lernen wie Stadtentwicklung funktioniert. Ich freue mich über die große Resonanz des Projekts auch in diesem Schuljahr.“

 

Das Projekt „Die Stadtentdecker“ ist ein vom Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung unterstütztes Förderprogramm zur Sensibilisierung und Aktivierung von Kindern und Jugendlichen für Stadtentwicklungsthemen. Die Projekte werden von den Schulen in Kooperation mit der jeweiligen Kommune, dem Schulträger, der Brandenburgischen Architektenkammer und dem Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (MBJS) in einzelnen Klassen durchgeführt. Mit dem Landesinstitut für Schule und Medien (LISUM) besteht enger Kontakt. Die Schülerinnen und Schüler setzen sich hierbei – angeleitet durch projektbegleitende Architektinnen und Architekten und mit Unterstützung der Lehrkräfte – unter einem bestimmten Schwerpunkt mit ihrer Stadt oder Gemeinde auseinander. Sie dokumentieren, analysieren und bewerten die vorhandene oder fehlende Qualität ihres gebauten Umfelds und erarbeiten eigene Ideen und Gestaltungsvorschläge. So erwerben die Kinder und Jugendlichen Grundlagenwissen zur eigenen Raumwahrnehmung, zu Planungs- und Darstellungstechniken sowie demokratischen Zielfindungs- und Entscheidungsprozessen im Kontext der örtlichen Architektur und Baukultur.

Das Projekt „Die Stadtentdecker“ ist so angelegt, dass es mit den Lerninhalten mehrerer Unterrichtsfächer unterschiedlicher Schulstufen kompatibel ist: zum Beispiel Deutsch, Kunst, Geografie oder Gesellschaftswissenschaften. Die im Schuljahr 2017/18 eingeführten Rahmenlehrpläne weisen darüber hinaus Kompetenzziele aus, die fächerverbindend grundlegende Fähigkeiten fördern. Auch hier gibt das Projekt wertvolle Impulse in den Unterricht, wenn es zum Beispiel darum geht, Fachbegriffe anzuwenden, ein Interview zu planen, eine Befragung durchzuführen oder eine Präsentation mit modernen Medien vorzustellen.

Seit 2020 stehen jährlich für 15 Projekte insgesamt 82.500 Euro zur Verfügung. Die Projekte werden jeweils mit höchstens 85 Prozent und maximal 5.500 Euro Zuschuss gefördert.

Zum Projektabschluss konnten die Schülerinnen und Schüler von vier Schulen ihre Arbeitsergebnisse der Öffentlichkeit, darunter teilweise auch Vertreterinnen und Vertreter der Ortspolitik und Verwaltung präsentieren und diskutieren:

 

  • Hohen Neuendorf               Marie-Curie-Gymnasium
  • Pritzwalk                               Herbert-Quandt-Schule
  • Zehdenick                            EXIN-Oberschule
  • Potsdam                               Leibniz-Gymnasium

Die folgenden Schulen konnten erst kurz vor den Ferien präsentieren:

  • Falkenberg/Elster               Astrid-Lindgren-Grundschule
  • Cottbus                                 Regine-Hildebrandt-Grundschule, Klassenstufen 5,6
  • Fürstenwalde                      Sonnengrundschule
  • Velten                                   Barbara-Zürner-Oberschule
  • Borgsdorf                             Grundschule Borgsdorf

Es wurden Konzepte für eine pandemiekonforme öffentliche Abschlusspräsentation entwickelt. Die Schülerinnen und Schüler holten mit großer Begeisterung ihre Ideen und Modelle zu den Stadtentdecker-Themen wieder hervor und mit Unterstützung der Architektinnen und Architekten und der Lehrkräfte entstanden bemerkenswerte Ausstellungen, die in den Aulas der jeweiligen Schule oder in den öffentlichen Räumen der Stadtverwaltung präsentiert werden konnten.

Stellvertretend werden zwei Beispiele vorgestellt:

Klasse 5a an der Europaschule Regine-Hildebrandt-Grundschule in Cottbus

Inhalt des Stadtentdecker-Projektes war, die Entdeckung von Orten und Bauwerken aus der Zeit der 70er und 80er Jahre in der Cottbuser Innenstadt. Die projektbegleitenden Architekten wollten die jetzt schon historischen Orte mit den Stadtentdeckern der Klasse 5a nicht nur besuchen und entdecken, sie sollten auch ein Gefühl für den historischen Hintergrund entwickeln. Grundlage waren originale DDR-Postkarten. Mit wachen Augen mussten die Schülerinnen und Schüler auf dem Stadtspaziergang ihre Heimatstadt durchstreifen, um diese Orte ausfindig zu machen. Dann sollte der beste Standort für ein Foto des jetzigen Zustandes gefunden werden. Im zweiten Teil des Stadtspaziergangs ging es dann ins Neubaugebiet Sachsendorf­-Madlow, wo auch die Regine-Hildebrandt-Grundschule steht und viele Schülerinnen und Schüler wohnen. Hier sollten die Besonderheiten der Plattenbauten der achtziger Jahre fotografiert werden, Hauseingänge, Treppenhäuser und Fassaden, aber auch Lieblingsorte, Spiel- und Treffpunkte. Die Vielzahl der fotografierten Orte, mit denen jetzt die unterschiedlichsten Eindrücke und Erlebnisse der Kinder verbunden waren, wurden auf der Stadtkarte markiert.

Danach wurden die Fotos für die neuen Ansichtskarten ausgewählt. Bei der Gestaltung gab es keine Grenzen und so kamen die verrücktesten Ideen zustande, es wurde collagiert, gemalt und mit Glitzer und Aufklebern nicht gespart. Die Ansichtskarten mussten jetzt nur noch versendet werden. Im Deutschunterricht lernten die Kinder, wie Postkarten mit Adressen und Texten beschriftet werden, um sie dann mit der Post zu verschicken.

Stadtentdecker-Post bekamen unter anderem der Cottbuser Oberbürgermeister, das Stadtplanungsamt, Professoren der Universität Cottbus, aber auch Oma und Opa und die Geschwister. 40 Ansichtskarten wurden versendet und dann auf die Antworten gewartet. Auch Minister Beermann erhielt Stadtentdecker-Post. Er möchte sich im neuen Schuljahr mit den Stadtentdeckern über die Ideen und Stadterkundungen austauschen.

Klasse 4a an der Astrid-Lindgren-Grundschule in Falkenberg/Elster

Der Stadtspaziergang mit dem projektbegleitenden Architekten fand bereits im August 2020 statt. Die Stadtentdecker-Ergebnisse des Projektes konnten erst im Juni 2021 in der Aula der Stadtverwaltung von den Schülerinnen und Schülern vorgestellt werden. Die Kinder präsentierten ihre Projektideen und Wünsche für die Gestaltung der Wege und des Eingangs in den Stadtpark, sowie Modell-Entwürfe für die Umgestaltung und Verbesserung von vier Spielplätze in ihrer Heimatstadt.

Besondere Aufmerksamkeit fand bei der Stadtspitze der Vorschlag, den Spielplatz in der Ludwig-Jahn-Straße mit einer Pyramide aufzuwerten. Er soll bei weiteren Planungen berücksichtigt werden. Gleichfalls wurde angedacht, dass die Ausstellung des Stadtentdecker-Projektes im September 2021 im „Haus des Gastes“ den Bürgerinnen und Bürgern von Falkenberg/Elster nochmals präsentiert werden soll. Schülerinnen und Schüler der Klasse 4a wird damit eine öffentliche Präsentation und Diskussion ihrer Modelle ermöglicht.

Trotz der Pandemie konnten nun mit diesen nachträglichen Präsentationen wieder viele junge „Stadtentdecker“ ihre Begeisterung für ihre Lebensumfelder zeigen und ihre Interessen und Wünsche kundtun.

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