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Statement von Prof. Hüttl zum Koalitionsvertrag der brandenburgischen SPD, CDU und Bündnis90/Die Grünen

Der Vorstandsvorsitzende und Wissenschaftliche Vorstand des Deutschen GeoForschungsZentrums (GFZ), Prof. Dr. Reinhard Hüttl, kommentiert den am Wochenende veröffentlichten Koalitionsvertrag der brandenburgischen Regierungsparteien wie folgt:

„Große Chance für Brandenburg“ 

„Der Koalitionsvertrag zwischen den drei Regierungsparteien in Brandenburg enthält für die Forschung eine Reihe bemerkenswerter Ziele. Insbesondere die zusätzlich zur nationalen Wasserstoffstrategie beschlossene eigene Wasserstoffstrategie ist zukunftsweisend. Wenn hier der Untergrund als Speichermöglichkeit mit einbezogen wird, dann stehen die Chancen gut dafür, dass sich Brandenburg zur Wasserstoff-Vorzeigeregion entwickelt.

Es ist außerdem sehr erfreulich, welch großen Anteil Klimaschutz und Nachhaltigkeit im Koalitionsvertrag haben. Auch die Hervorhebung der Wälder und Moore im Koalitionsvertrag ist berechtigt, denn sie sind von hoher Bedeutung für die Kohlenstoffbilanz. Hier besteht weiterhin hoher Forschungsbedarf, um die Kohlenstoffflüsse besser quantifizieren zu können.

Neben der dringend gebotenen Reduktion von Treibhausgasen gilt es überdies, Maßnahmen zu erforschen und zu etablieren, um sich an die Folgen des Klimawandels anzupassen. Diese „Adaptation“ ist von zentraler Bedeutung und wir müssen alle Optionen nutzen, die zur Emissionsvermeidung und Anpassung beitragen. Das schließt die in Brandenburg erprobte und im internationalen Kontext eingesetzte CO2-Speicherung im Untergrund ebenso ein wie moderne Pflanzenzüchtungsmethoden und Agrartechnik. Die Wissenschaft kann den Land- und Forstwirten Optionen aufzeigen, sich an veränderte klimatische Bedingungen anzupassen.

Die Pläne für die Lausitz stimmen mich sehr optimistisch. Es ist richtig, diese Region zu einer Modellregion für hoch innovative und forschungsintensive Transformationsprozesse zu entwickeln. Ich bin seit mehr als 25 Jahren dort tätig, und was wir damals erdacht hatten für die Rekultivierung der Lausitzer Bergbaulandschaften, wurde zunächst eher als Utopie angesehen. Jetzt sehen wir die ersten Erfolge: Es entsteht eine Seenlandschaft, die größer ist als die Mecklenburgische Seenplatte. Unsere Planungen nehmen Gestalt an. Dies gilt auch für das gemeinsam mit der BTU Cottbus-Senftenberg und zahlreichen außeruniversitären Forschungseinrichtungen des Landes erarbeitete Konzept eines Albrecht-Thaer-Wissenschaftscampus in Cottbus. Hier sollen die großen und historisch gewachsenen Kompetenzen im Bereich der Landnutzung zusammengeführt werden, um die Lausitz als Reallabor für eine nachhaltige Bioökonomie zu entwickeln.

Mit den Mitteln aus dem Strukturfonds und einem langen Atem können in der Lausitz nicht nur wichtige Strukturwandelprozesse vollzogen, sondern auch die Dekarbonisierung der Industrie im Sinne der Energiewende vorangetrieben werden. Batterieforschung und Power-to-X sind dabei wichtig. Was ich allerdings vermisse, ist die Erwähnung der Geothermie sowie die Nutzung des Untergrunds zur Wärmespeicherung als ebenfalls wichtige Bausteine im Energiemix der Zukunft. Hier gibt es große wirtschaftliche Potenziale und international anerkannte Forschung, die bereits sehr eng mit der Anwendung verknüpft ist.“

— Ende des Statements —

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