Streikende von Riesa NUDELN am 9. November in Berlin: Niedrig-Lohnmauer einreißen! Wir sind mehr Wert als Mindestlohn!!

„Niedrig-Lohnmauer einreißen!“ Diese Botschaft tragen die Beschäftigten des ostdeutschen Nudel-Marktführers Teigwaren Riesa am Tag des Mauerfalls in die Bundeshauptstadt. Seit über vier Wochen streiken die Beschäftigten in Sachsen für höhere Löhne. Die unterste Lohngruppe wurde vom Mindestlohn von 12 Euro eingeholt. Viele Beschäftigte, vor allem Frauen in der Verpackung, erhalten derzeit nur einen Stundenlohn von 12,51 Euro.

Kundgebung am 9. November von 12:30 Uhr bis 14:00 Uhr, Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor. Angekündigt haben sich Bundestagsabgeordnete verschiedener Parteien. Bundesarbeitsminister Heil hat ein Grußwort angekündigt. Es kommen weitere Beschäftigte aus anderen Niedriglohnbranchen zu Wort, wie etwa des Essendienstlieferers Lieferando.

Das Unternehmen Teigwaren Riesa, das der baden-württembergischen Nudelproduzentenfamilie Freidler gehört, weigert sich auf die Lohnforderung der Beschäftigten einzugehen. Diese fordern mit ihrer Lebensmittelgewerkschaft NGG ihren Stundenlohn sofort um einen Euro zu erhöhen, ein weiterer Euro soll im nächsten Jahr kommen. Trotz drastischer Streikfolgen ist das Unternehmen bisher nicht bereit, darüber zu verhandeln.

Die Beschäftigten von Riesa NUDELN stehen stellvertretend für viele Beschäftigte in Deutschland, die kaum über dem Mindestlohn verdienen. Diese leiden überdurchschnittlich unter der hohen Inflation. In Ostdeutschland sind davon besonders viele betroffen. Hier erhält fast jeder dritte Beschäftigte einen Lohn unterhalb der Niedriglohnschwelle. 2021 lag diese für Vollzeitbeschäftigte bei 2.344 € im Monat. Bei einer 40 Stundenwoche entspricht das einem Stundenlohn von 13,50€. Von der Erhöhung des Mindestlohns auf 12 Euro im Oktober waren in einigen Regionen Ostdeutschlands vier von zehn Beschäftigten betroffen.

„Der Kampf der Beschäftigten von Riesa NUDELN steht für Millionen Menschen in Deutschland. Verdienste kaum über dem Mindestlohn bedeuten in der heutigen Zeit oft ein Überlebenskampf und viele Beschäftigte fragen sich, was ihre Arbeit noch Wert ist. Dass der ostdeutsche Nudel-Marktführer so eine Lohnblockade betreibt, ist überhaupt nicht nachvollziehbar“, sagt Uwe Ledwig von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten. „Die Zeit von Billiglohn Ost muss vorbei sein. Das muss die Geschäftsleitung von Teigwaren Riesa und die Unternehmerfamilie Freidler auf der schwäbischen Alb endlich verstehen. Die Beschäftigten haben das Unternehmen zu diesem Erfolg geführt, sie dürfen nicht mehr mit Niedriglöhnen abgespeist werden“, so der Chef der NGG Ost.

Hintergrund:

Beim Nudelhersteller in Riesa arbeiten etwa 140 Beschäftigte und zwischen 30-40 Leiharbeitnehmer*innen. Der Betrieb gehört der Unternehmerfamilie Freidler aus Baden-Württemberg. Diese betreibt dort zwei weitere Nudelbetriebe. Der Stammsitz des Ursprungsunternehmens ALB-GOLD befindet sich in Trochtelfingen auf der schwäbischen Alb.

Bereits im letzten Jahr mussten die Beschäftigten streiken, um überhaupt Lohnerhöhungen durchzusetzen. Dabei hatte das Unternehmen über die Corona-Zeit mit der Nudelproduktion ein Rekordjahr eingefahren. Die Situation gestaltet sich auch deshalb so schwierig, weil es in den westdeutschen Standorten des Unternehmens weder Betriebsrat noch Tarifvertrag gibt und die Unternehmerfamilie bisher keine Zusammenarbeit mit Gewerkschaften kennt.

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