Tag des offenen Denkmals am Sonntag

Bundesweites Motto: „Sein & Schein – in Geschichte, Architektur und Denkmalpflege“

Am kommenden Sonntag, den 12. September, lädt die Landeshauptstadt Potsdam alle Bürger*innen und Denkmalinteressierte zum Besuch des 28. Potsdamer Denkmaltages ein. Das bundesweite Motto der Deutschen Stiftung Denkmalschutz lautet in diesem Jahr „Sein & Schein – in Geschichte, Architektur und Denkmalpflege“. In diesem Jahr öffnen insgesamt 30 Denkmale ihre Türen, um über ihre spannende Geschichte und Architektur zu berichten. Denkmale verschiedenster Baujahre, darunter private Villen, Land- und Stadthäuser, Kirchen sowie Museen. Den Besucher*innen werden Einblicke ermöglicht, die sonst der Öffentlichkeit verschlossen bleiben. Der Denkmaltag wird um 10 Uhr eröffnet von Bernd Rubelt, Beigeordneter für Stadtentwicklung, Bauen, Wirtschaft und Umwelt, in der Villa Carlshagen, Olympischer Weg 1.

Der Denkmaltag soll Potsdamer*innen und alle Interessierten aus dem Umland dazu einladen, einen Blick auf die zahlreichen historischen Gebäude der Stadt zu bekommen. Hierbei soll ein generelles Verständnis dafür geschaffen werden, warum denkmalgeschützte Gebäude aus ihrem kulturellen und historischen Erbe heraus besonders erhaltenswert sind. Allen Besuchern wird die Möglichkeit geboten, sich im persönlichen Austausch mit Restauratoren, Architekten, Hausbesitzern und Vereinen den Objekten zu nähern und Fragen zu stellen. Die Beteiligten werden ihrerseits von den vielseitigen Herausforderungen und Möglichkeiten berichten, die sich im Umgang mit den einzelnen Objekten ergeben. Auf den Spuren der Potsdamer Geschichte bekommen die Besucher so die Gelegenheit, Gebäude aus mehreren Jahrhunderten von außen und innen zu bestaunen und es bieten sich neue Perspektiven auf Objekte, denen man im Alltag oft wenig Zeit und Aufmerksamkeit schenkt.

Wie bereits im Vorjahr können Denkmalinteressierte die verschiedenen Orte auch in diesem Jahr wieder sowohl live vor Ort, als auch digital von zu Hause erleben. Dem bundesweiten Aufruf der Deutschen Stiftung Denkmalschutz folgend haben zahlreiche Potsdamer Kulturerben bereits 2020 Videos ihrer Denkmale erstellt. Diese Videos werden nun durch weitere Einsendungen ergänzt. Die Playlist mit dem gesammelten Videoangebot beider Jahre wird pünktlich zum Denkmaltag über den YouTube-Kanal der Stadt Potsdam unter folgendem Link zu finden sein: www.youtube.com/landeshauptstadtpotsdam

Die Eröffnungsveranstaltung zum Tag des offenen Denkmals findet in diesem Jahr in der Villa Carlshagen statt. Der Berliner Spediteur Moreau Ballette ließ dort um 1870 eine kleine Turmvilla errichten. Das Grundstück umfasste ursprünglich 65.000 Quadratmeter und erstreckte sich von der ehemaligen Louisenstraße (später Zeppelinstraße) bis zum Ufer des Templiner Sees. Dieser Ursprungsbau ist noch immer im Nordflügel des heutigen Gebäudes erhalten. Um 1900 erwarb der jüdische Bankier Carl Levy (1856–1938), der sich 1906 in Carl Hagen umbenannte, das Grundstück. Dieser ließ die Villa nach dem Entwurf des Architekten Friedrich Wilhelm Göhre 1909/1910 zu einem dreizehnachsigen Gebäude mit Mansardwalmdach in neobarockem Stil, dem zu der Zeit vorherrschenden Zeitgeschmack für repräsentative Villen umbauen. So präsentiert sich heute ein in seinem Erscheinungsbild in sich geschlossener, repräsentativer Bau, der die zwei Entstehungsphasen nur im Inneren erahnen lässt.

Während des 2. Weltkriegs musste die Erbengemeinschaft Carl Hagens das Grundstück an die Stadt Potsdam verkaufen, die Familie emigrierte. Nach 1945 bis 1990 beherbergte die Villa eine Kinderklinik für Radiologie des Bezirkskrankenhauses Potsdam. Der im Süden an das Grundstück grenzende, ab 1924 als Land- und Wassersportplatz umfunktionierte Luftschiffhafen wurde zu DDR-Zeiten nach Norden um die Villa herum erweitert und ein Großteil des Parks überbaut. Lediglich die Zufahrt mit historischem Brunnen, sowie der Garten zwischen Villa und See wurden als der Villa zugeordnete Freianlagen belassen.

Nach der politischen Wende 1989 erfolgte die Rückübertragung an die Erbengemeinschaft und 1995 die Aufnahme der Villa einschließlich der Gartenanlage in die Denkmalliste. Auch die Einfriedungsmauer, die seit der Ausweitung der Sportanlagen räumlich nicht mehr zum Villengelände gehört, ist denkmalgeschützt. 2012 kaufte die Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam das mittlerweile nur noch 10.000 Quadratmeter umfassende Grundstück mit dem stark desolaten Gebäude und dem verwilderten Garten. Nach langem Leerstand, Vandalismus und einem Brand, der das östliche Dach völlig zerstörte, wurde 2013 mit der Sanierung der Gebäudehülle des stark geschädigten, in großen Bereichen schwammbefallenen Gebäudes begonnen. Dabei wurde unter anderem das fehlende Mansardendach des östlichen Flügels in bauzeitlicher Form wiederaufgebaut, die übrigen Dächer instandgesetzt und mit einer Schieferdeckung entsprechend des ursprünglichen Bestandes versehen.

Im Jahr 2017 erwarb die „Villa Carlshagen Grundstücks GmbH“ die zu diesem Zeitpunkt im Äußeren fertiggestellte Villa und setzte die Restaurierungs- und Instandsetzungsmaßnahmen im Gebäudeinneren fort. Die nur noch in Teilen erhaltenen und künstlerisch hochwertigen Ausstattungen im repräsentativen Erdgeschoss der Villa, wie zum Beispiel hölzerne Paneele, Türen und Spiegel im ovalen Gartensaal, die Natursteinwandbekleidungen und Böden in der Eingangshalle, sowie feine Stuckaturen und Parkett, wurden originalgetreu restauriert, fehlende Teile ergänzt. So wurde der repräsentative östliche Teil der Villa, der in Teilen auf den Ursprungsbau aus dem 19. Jahrhundert gründet, nahezu originalgetreu mustergültig wiederhergestellt.

Auch die historische, im Stil von englischen Landschaftsgärten konzipierte Gartenanlage wurde mit großem Aufwand freigelegt, von späterem Bewuchs befreit und das bauzeitliche Geländerelief wiederhergestellt. Die große Brunnenschale vor der Villa in der repräsentativen Zufahrt und der kleine Brunnen im Garten wurden restauriert. Die Gestaltung der Gartenanlage wurde dem bauzeitlichen Zustand weitestgehend angenähert. Geplante Nachpflanzungen fehlender Großbäume werden den historischen Garten und das Landschaftsbild weiter vervollständigen. Seit 2020 nutzt die HMU (Health and Medical University Potsdam) die restaurierte Villa als Universitäts-Campus.

Zum Tag des offenen Denkmals freut sich die Landeshauptstadt Potsdam auf alle Liebhaber*innen des Potsdamer Denkmaltages und natürlich auch auf alle Besucher*innen, die zum ersten Mal vorbeischauen.

Das Programm zum diesjährigen Denkmaltag finden alle Interessierten unter www.potsdam.de/event/tag-des-offenen-denkmals

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