Taschenmode, made in Kapstadt

Die Achtklässler der beiden weiterführenden Schulen in Beelitz haben Schultaschen aus „Upcycling“ übergeben bekommen. Genäht wurden die praktischen Begleiter aus ausgedienten Bannern und Planen.

Vanessa Jennings arbeitet als Näherin in Kapstadt. Zusammen mit ihren Kolleginnen fertigt sie Taschen aus Bannern und Großplanen, die unter anderem nach der Fußball-WM in Südafrika vor gut zehn Jahren keine Verwendung mehr fanden. „Upcycling“ nennt sich dieses Prinzip: Aus gebrauchten Dingen etwas Neues machen. Die Taschen kommen auch an den beiden weiterführenden Schulen in Beelitz zum Einsatz: Als praktischer Begleiter der Kinder und Jugendlichen – und als anschauliches Beispiel, wie Nachhaltigkeit funktionieren kann. Denn durch die Wiederverwendung der Planen werden Ressourcen gespart – und Näherinnen wie Vanessa Jennings haben Arbeit zu fairen Konditionen.

Jetzt sind wieder solche Taschen an die achten Klassen geliefert worden, 76 an die Oberschule und 85 an das Sally-Bein-Gymnasium. Seit mehreren Jahren läuft das Projekt unter dem Dach der „Fair-Trade Town“, wie sich Beelitz mittlerweile nennen darf. Dazu gehört, dass sich die Kinder und Jugendlichen im Unterricht mit fairem Handel, Globalisierung und dem Leben und Arbeiten in Afrika beschäftigen. Das Taschenprojekt ist eine gute Möglichkeit, diese Themen greifbar zu machen, zumal die künftigen Besitzer auch ein gewisses Mitspracherecht haben, was die Farbgestaltung angeht.

Die Übergabe erfolgte dieses Mal – anders als bisher – wegen der Pandemie nicht direkt an die Schüler, sondern an die Schulleitung und die Fachlehrer. Aber es gab auch einige Worte von Vanessa Jennings mit auf den Weg – und Bilder aus ihrer Werkstatt in einem der Townships von Kapstadt. Sie berichtet über einen Messengerdienst, dass sie mit ihrer Arbeit ihre ganze Familie versorgen kann, vor allem ihre drei Enkel, die bei ihr leben. Nebenbei kümmert sie sich auch noch um ihre 72-jährige Mutter. „Ich bin immer sehr dankbar für meine Arbeit. Und dafür, dass diese aus Deutschland ermöglicht wird, es ist eine große Hilfe“, schreibt sie auf Englisch.

Hinter dem Label „Re-load – Bags for the world“ steht der gebürtige Potsdamer Peter Kirsten, der die Taschen auch dieses Mal vor Ort in Beelitz übergab. Vor einigen Jahren hatte er gemeinsam mit einem Freund die Idee gehabt, die Menschen in den Townships sinnvoll zu unterstützen. Heute werden dort Taschen auch für Unternehmen, Anwaltskanzleien, Forschungsinstitute, Kongresse und weitere Kunden hergestellt. 20 bis 30 Euro würden die Näherinnen am Tag verdienen – Geld, von dem sie Essen kaufen können oder vielleicht ein neues Stück Blech für die Hütte. Aber auch der Bau eines Kindergartens in der Township wurde mit Erlösen aus dem Projekt schon unterstützt.

An der Oberschule wurde bereits in den siebenten Klassen fächerübergreifend an dem Thema gearbeitet, so in Geografie, im WAT- und im Kunstunterricht. Gerade in letzterem waren die Schüler sehr kreativ. Natürlich konnten nicht alle Wünsche umgesetzt werden, aber laut Erfahrung der Oberschule würden die Kinder ihre Taschen rege nutzen – nicht nur im Schulalltag, sondern auch in ihrer Freizeit.

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