Tourismus in Potsdam: Langer Atem und gute Ideen sind gefragt

In der heutigen Sitzung des Hauptausschusses wird der Themenschwerpunkt „Tourismus“ im Rahmen mehrerer Vorlagen behandelt. Auf der Tagesordnung stehen eine Zwischenbilanz zur Umsetzung der „Tourismuskonzeption 2025 der Landeshauptstadt Potsdam“, die Mitgliedschaft der Landeshauptstadt Potsdam im „Historic Highlights of Germany e. V.“, der Marketing- und Wirtschaftsplan der Potsdam Marketing und Service GmbH (PMSG) für das Jahr 2021 sowie der Geschäftsbericht 2019 der PMSG.

Grundlage für die touristische Arbeit in Potsdam bildet seit 2017 die „Tourismuskonzeption 2025 der Landeshauptstadt Potsdam“. Von Beginn an wurden das Konzept und die darin definierten Maßnahmen kontinuierlich differenziert und hinsichtlich ihrer Priorität und Qualität evaluiert. Dem Hauptausschuss wird heute ein Zwischenbericht zum Stand der Umsetzung der Tourismuskonzeption zur Kenntnis gegeben.

Vor dem Hintergrund der sich durch die Corona-Krise elementar veränderten Rahmenbedingungen sind ohne Zweifel weitere Anpassungen notwendig. An der grundsätzlichen, langfristigen Strategie aus der Tourismuskonzeption 2025 für den Potsdamer Tourismus wird dennoch weiterhin festgehalten.

Im Auftrag der Landeshauptstadt Potsdam wird eine Untersuchung zum Reisebustourismus in Potsdam erarbeitet. Ziel ist es, in enger Abstimmung mit den Beteiligten und Betroffenen konkrete Handlungsempfehlungen zu erhalten, welche darauf ausgerichtet sind, den Reisebustourismus und -verkehr in der Landeshauptstadt Potsdam weiter zu qualifizieren sowie positive Effekte auf die touristische Entwicklung zu erzielen. Zugleich sollen die im Zusammenhang mit Reisebussen entstehenden Belastungen minimiert werden. Die Phase der Bestandsanalyse wurde im Oktober 2020 abgeschlossen. Im nächsten Schritt werden Leitziele definiert, die die Basis für die zukünftige Strategie bilden.

Ein weiterer Schwerpunkt der touristischen Arbeit ist die Verknüpfung der Themen Mobilität und Tourismus. Die Eröffnung der „mobiagentur“ im Februar 2020 im Potsdamer Hauptbahnhof und die Einbindung der Tourist Information in diesen modernen Kundenkontaktpunkt war ein erster wichtiger Schritt. Nun gilt es u. a., die Positionierung der „mobiagentur“ auszubauen, deren Umgestaltung unter anderem aus Mitteln des Bundes und des Landes Brandenburg im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsinfrastruktur – GRW-Infrastruktur“ gefördert wird.

Mit der Potsdam Marketing und Service GmbH steht sowohl den Gästen als auch den touristischen Akteuren in Potsdam ein kompetenter und gut vernetzter Ansprechpartner zur Verfügung, der relevante Informationen bündelt, bei individuellen Fragen berät und Unterstützung anbietet. Auf der neuen Plattform www.deinpotsdam.de bündelt die PMSG Blogartikel, Social Media Beiträge und Podcast Episoden zu einer digitalen Inspirationsquelle. Für das nächste Jahr sind Marketingmaßnahmen geplant, die in die Kampagne „Auszeit in Potsdam“ einzahlen.

Die touristische Bilanz zum dritten Quartal 2020 zeigt, dass die Tourismusbranche sehr stark von den Auswirkungen der Corona-Krise getroffen ist. Bereits im Januar und Februar 2020 wies das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg einen Rückgang der Gästezahlen im Vergleich zu den sehr starken Vorjahresmonaten aus. Ab März 2020 machten sich die Auswirkungen der Corona-Pandemie deutlich in der Statistik bemerkbar. Die Mobilitäts- und Reiseeinschränkungen bewirkten einen drastischen Rückgang der touristischen Nachfrage. So wurden bereits im März 2020 64,7 % weniger Gäste vermeldet im Vergleich zum Vorjahresmonat. Im April 2020 kam die touristische Nachfrage dann fast vollständig zum Erliegen. In Potsdam wurden lediglich 2.733 Übernachtungsgäste registriert. Das sind 94 % weniger als im April des Vorjahres.

Ab Mitte Mai setzte langsam eine erste Erholungsphase ein. Mit Beginn der ersten Lockerungen stieg die Zahl der Gäste wieder langsam an: Im Mai waren es 8.303 (-85,8 %), im Juni bereits 33.125 (-40,4 %) und im Juli 48.836 (-11,8 %) Gäste. Im August 2020 wurden dem Amt für Statistik mit 60.478 Gästen sogar 9,2 % mehr Gäste als im Vorjahr gemeldet. Zum Tragen kamen in diesen Monaten u. a. Kompensationseffekte für Reisen, die im Frühjahr nicht unternommen wurden, sowie ein sehr stark positiver Sommerferieneffekt, kombiniert mit erhöhter Nachfrage nach Inlandsreisen. Im September wurden 50.886 Gäste gezählt, womit ein Rückgang nur im einstelligen Bereich (-8,2 %) gegenüber dem Vorjahr festzustellen war.

Der Verlauf dieser ersten Erholungsphase zeigt die schnelle Regenerationsfähigkeit des Reiseziels Potsdam. Im Vergleich mit anderen Städtereisezielen musste Potsdam bisher weniger starke Einbußen verkraften. Wurde in den vergangenen Jahren die Tatsache, dass der Anteil der ausländischen Gäste in Potsdam relativ gering ist, zumeist als Nachteil gewertet, so erwies sich die im Vergleich zu anderen Städtedestinationen geringere Abhängigkeit Potsdams vom internationalen Tourismus in diesem Jahr als Vorteil. Nur ca. zehn Prozent aller Gäste, die in Potsdam übernachten, haben ihren Wohnsitz im Ausland. Des Weiteren konnten Ausfälle im Event-  und Geschäftsreisesegment – also ausbleibende Dienstreisen, Meetings, Tagungen, Konferenzen – durch den Nachfrageboom von Urlaubsgästen nach Inlandsreisen zum Teil ausgeglichen werden. Hierbei kam Potsdam auch sein breites Beherbergungsangebot zugute.

Der Blick auf die Statistik von Januar bis September 2020 zeigt allerdings auch, dass nur einige der Rückgänge aus dem ersten Lockdown wieder wettgemacht werden konnten. Bis zum Ende des dritten Quartals 2020 wurden insgesamt 277.586 Gäste (-36,4 %) registriert, die 723.034 Übernachtungen (-29,9 %) getätigt haben. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in den ersten neun Monaten betrug 2,6 Tage und ist somit leicht gestiegen (Vorjahr: 2,4 Tage). Die durchschnittliche Bettenauslastung zwischen Januar und September betrug 44,1 % (Vorjahr: 58,6 %).

Der zweite Lockdown seit Anfang November 2020 bringt eine Verschärfung der bereits angespannten Situation. Zwar betrifft das grundsätzliche Beherbergungsverbot im November nur touristische Übernachtungen. Geschäftsreisende dürften also weiter in Hotels übernachten, doch viele Unternehmen haben ihre gesamte Geschäftsreisetätigkeit erneut eingestellt. Des Weiteren zehrt die stark saisonal geprägte Tourismusbranche normalerweise in den schwächeren Wintermonaten von den im Sommer erwirtschafteten Einnahmen, die in diesem Jahr insgesamt hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind. Experten sagen eine lange Erholungsphase für die Tourismusbranche voraus. Optimistische Entwicklungsszenarien prognostizieren, dass eine vollständige Erholung der Tourismusbranche erst im Jahr 2023 erreicht sein wird.

„Wir brauchen einen langen Atem, Geduld und viele gute Ideen“, erläuterte der Dezernent Zentrale Verwaltung, Dieter Jetschmanegg, in diesem Zusammenhang. Er verwies darauf, dass gerade der für Potsdam wichtige Bereich der Tagungen, Kongresse und Events vor große Herausforderungen gestellt ist. „Häuser wie etwa das Kongresshotel haben die Zeit intensiv genutzt, um im Bereich der hybriden Formate neue Angebote zu schaffen.“

%d Bloggern gefällt das: