Tourismus kämpft mit Integration gegen Fachkräftemangel

Aktuelle Tourismus-Konjunkturumfrage der IHK Potsdam:
– Fachkräfte: ohne internationales Personal geht es nicht mehr

– Reisebüros verkaufen weniger Auslandsreisen

– mehr inländische Gäste in der Gastronomie

Potsdam, 13. November 2019 – Seit Jahren wächst die Zahl der Gastgeber in Brandenburg, die den Fachkräftemangel als ernsthaftes Risiko für ihren wirtschaftlichen Erfolg einschätzt. Darum suchen Unternehmen nach innovativen Methoden, um auf die Veränderungen in der modernen Arbeitswelt zu reagieren und künftig Mitarbeiter an ihr Unternehmen zu binden. Dafür planen rund 70 Prozent der Gastgeber Maßnahmen zur Steigerung der Arbeitgeberattraktivität. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern, das haben sich rund 60 Prozent der Befragten vorgenommen.

Ein weiterer Weg gegen den Fachkräftemangel ist Integration. Mitarbeiter aus dem europäischen Ausland einzustellen, das können sich 62,5 Prozent der Unternehmen vorstellen, und 39,4 Prozent hätten Interesse an Mitarbeitern aus Nicht-EU-Ländern. Gegenwärtig beschäftigen Brandenburger Gastgeber bereits ein Drittel internationales Personal. Zu den Gründen, sich gegen ausländische Mitarbeiter zu entscheiden, gehören „Sprachkenntnisse“ (53,0 Prozent), „fachliche Qualifikation“ (25,0 Prozent) sowie „Aufenthaltsdauer bzw. – status“ (21,0 Prozent).

Weniger Umsätze für Reiseunternehmen vor allem bei Auslandsreisen

Die Reiseunternehmen verzeichnen eine durchwachsene Bilanz. Nur etwa ein Viertel aller befragten Reisebüros konnte den Umsatz steigern. Das sind rund 15 Prozent weniger als im Herbst 2018. Über Umsatzrückgänge klagen 25,5 Prozent der Befragten. Das Umsatzminus bezieht sich auf den Rückgang beim Verkauf von Urlaubsreisen, den 31,8 Prozent der Unternehmen verzeichnen. 36,3 Prozent berichten von einem Rückgang beim Verkauf von Geschäftsreisen. Von einem Buchungsrückgang bei Auslandsreisen sind rund 36 Prozent der befragten Reiseunternehmen betroffen. Einen Anstieg bei Buchungen ins Ausland konnten nur rund 24 Prozent verzeichnen. Das ist ein Minus von zehn Prozentpunkten verglichen mit dem Vorjahresergebnis. Zuwächse gab es bei Reisen innerhalb Deutschlands, wie rund 23 Prozent berichten.

Fachkräftesicherung ist nach wie vor Thema Nr.1 im Reisegewerbe. Rund 57 Prozent der Befragten bezeichnen den Fachkräftemangel als größtes Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens. Fast alle befragten Unternehmen (94,5 Prozent) geben an, keine internationalen Mitarbeiter zu beschäftigen. Gerade die Reisebranche ist eine beratungsintensive, daher planen auch weiterhin 85,5 Prozent keine internationalen Mitarbeiter einzustellen. Für 31,1 Prozent sind Sprachkenntnisse sowie die fachliche Qualifikation für 28,9 Prozent der Befragten die Gründe, internationale Mitarbeiter nicht beschäftigen zu wollen.

Beherbergungsgewerbe

Obwohl die allgemeine Konjunktur an Schwung verliert, setzt sich im Beherbergungsgewerbe die sehr gute Entwicklung der letzten Jahre fort. Das bestätigen rund 70 Prozent der befragten Gastgeber. Mit rund 9,9 Millionen Übernachtungen von Januar bis August 2019 konnten wieder einmal mehr Gäste in ganz Brandenburg begrüßt werden. Auch wenn die Stimmung gut ist, bei den Umsätzen sind leichte Rückgänge zu verzeichnen. Unter den befragten Kammerbezirk der IHK Potsdam konnten sich nur noch 61,2 Prozent über ein Plus bei den Umsätzen freuen. Das sind 5,5 Prozent weniger als in der Saison 2018. Die durchschnittliche Zimmerauslastung bleibt mit rund 60 Prozent auf einem hohen Niveau.

Die Lage auf dem Arbeitsmarkt wird für die Gastgeber in Brandenburg dagegen zunehmend dramatisch. Als größte Bedrohung für die Zukunft des eigenen Unternehmens sehen die Befragten mit 71,5 Prozent den Fachkräftemangel. Wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen bewerten rund 46 Prozent als Risiko. Mit weniger Sorge werden die Entwicklung der Preise für Energie (2019: 27,9 Prozent; 2018: 41 Prozent) sowie Lebensmittel und Rohstoffe (2019: 20,9 Prozent; 2018: 24,8 Prozent) gesehen.

Qualitätssteigernde Maßnahmen sind für 64 Prozent der Befragten das Hauptmotiv für anstehende Investitionen. Außerdem gewinnt das Thema Umweltschutz für die Gastgeber an Bedeutung. Die Investitionsabsichten liegen für diesen Bereich bei 20,2 Prozent und verdoppeln sich damit nahezu zum Vergleichszeitraum 2018 (11,8 Prozent).

Gastronomie

Die Geschäftslage für einen der heißesten Sommer seit der Wetteraufzeichnung beurteilen 94 Prozent der Gastwirte als gut oder befriedigend. Die Umsatzsteigerungen sind zwar etwas zurückhaltender als im Vorjahr, dennoch konnten 53 Prozent hier Zugewinne verbuchen. Einen besonders starken Zuwachs gab es bei den Gästen aus Deutschland. Rund die Hälfte der Befragten verzeichnet hier Umsatzsteigerungen von 31 Prozent im Vergleich zur Sommersaison 2018.

Der Fachkräftemangel bleibt auch für die Gastronomen mit 81,5 Prozent das größte Risiko für die unternehmerische Zukunft. Die Sorge um steigende Arbeitskosten folgt auf Platz zwei und wird von 48,4 Prozent der Befragten genannt. Dieser Wert sinkt sowohl in der Gastronomie- als auch in der Beherbergungsbranche seit Jahren.

Die Investitionsbereitschaft des Gastronomiegewerbes ist durch leichte Zurückhaltung gekennzeichnet. Wollten im Jahr 2018 noch rund 87 Prozent der befragten Unternehmen investieren, sind es aktuell rund 70 Prozent.

Der komplette Bericht: www.ihk-potsdam.de/tourismuskonjunktur

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