„ttt – titel thesen temperamente“ (NDR) am Sonntag, 9. August 2020, um 23:45 Uhr

Geplante Themen:
Angriff auf Frauen – Europäisches Gewaltschutzabkommen in Gefahr
Statistisch gesehen betrifft es jede dritte Frau weltweit: Eine von drei Frauen erlebt in ihrem Leben Gewalt. Und oft, meistens, kommt der Täter aus dem häuslichen Umfeld. Soweit, so bekannt – und so erschütternd. Was war es für ein Schritt zum Schutz von Frauen, als 2011 die Istanbul-Konvention vom Europarat angenommen wurde: ein Abkommen zur „Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt“! Mittlerweile haben 46 Staaten die Konvention unterzeichnet, 34 der Unterzeichnerstaaten ratifiziert – doch jetzt will Polen aus der Konvention austreten. Zumindest wenn es nach dem Willen des Justizministers geht. Teile des Abkommens hätten „ideologischen Charakter“, behauptet der nationalkonservative Politiker. Ein neues Kapitel im polnischen Kulturkampf, möchte man meinen. Doch auch in der Türkei fordern konservative Kräfte die sofortige Kündigung des Abkommens: Die traditionelle Familie sei angeblich in Gefahr. Wie steht es um die Gleichberechtigung und körperliche Unversehrtheit von Frauen? Und wie kommt es zu diesem Rückschritt bei der Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen? „ttt“ sucht nach Erklärungen.
„Ich habe geliefert“ – Iris Berben zum 70. Geburtstag
Attraktiv, engagiert, vielfach geehrt: Iris Berben ist seit Jahrzehnten eine der wichtigsten Frauen in der deutschen Film- und Fernsehbranche. Sie spielte in legendären Serien wie „Die himmlischen Schwestern“, „Sketch-Up“, „Rosa Roth“ sowie in zahlreichen Kino- und Fernsehfilmen. Sie ist eine öffentliche Figur, engagiert sich politisch, mischt sich ein, war Präsidentin der deutschen Filmakademie. Und sie gilt noch immer als eine der attraktivsten Frauen, auch wenn sie manchmal bewusst gegen dieses Image angespielt hat. Am 12. August wird Iris Berben 70 Jahre alt. Im Ersten gibt es aus diesem Anlass den Fernsehfilm „Mein Altweibersommer“ (12. August um 20:15 Uhr). Iris Berben spielt eine Frau, die im Leben noch einmal neu anfangen will. „ttt“ spricht mit der Ausnahme-Schauspielerin über ihre Karriere: „Ich habe geliefert“, sagt sie.
„Sei kein Mann“ – JJ Bolas neue Vision von Männlichkeit
Er hat das Buch geschrieben, das er als Jugendlicher gern gelesen hätte: Denn Jungs stehen unter enormem Druck, einem Männlichkeits-Ideal zu entsprechen, bei dem Gefühle als Schwäche ausgelegt werden, sagt JJ Bola. Geboren in Kinshasa im Kongo, ist er als Kind nach London gekommen und wuchs dort in einer Brennpunktsiedlung auf. Er arbeitete als Sozialarbeiter mit Jugendlichen, die psychische Probleme haben. Obwohl Männer in unserer Gesellschaft die privilegierteren Positionen haben, leiden doch viele unter den starren Erwartungen, an denen manche zerbrechen. „Dasselbe System, das Männer in der Gesellschaft bevorzugt, ist am Ende auch das System, das sie einschränkt, ihr Wachstum hemmt und schließlich zu ihrer Zerstörung führt“, schreibt Bola. So werden mehr Männer als Frauen Gewalttäter und Selbstmord ist die häufigste Todesursache von Männern unter fünfunddreißig. Bolas Plädoyer „Sei kein Mann“ erscheint am 17. August.
Große Wim Wenders-Retrospektive – Doku und Werkschau im Ersten
Sein Traum war Amerika und das amerikanische Kino. Wim Wenders aus Oberhausen wollte es mit den großen Regisseuren seiner Zunft aufnehmen. Aber seine Welt-Karriere machte er als europäischer Regisseur. Für Filme wie „Paris, Texas“, „Der Himmel über Berlin“ oder „The Million Dollar Hotel“ wurde er mit Preisen ausgezeichnet. Zu seinem 75. Geburtstag am 14. August zeigt Das Erste den neuen Dokumentarfilm „Wim Wenders, Desperado“ von Eric Friedler und Campino. Dazu gibt es eine große Werkschau mit zahlreichen Wenders-Filmen in der ARD Mediathek.
Der Mann an der Harfe – Star-Musiker Xavier de Maistre
Die Harfe ist nicht unbedingt das richtige Instrument, wenn man als Musiker eine Solo-Karriere machen will. Und auch das Standard-Repertoire ist für sie sehr begrenzt. Der französische Harfenist Xavier de Maistre hat es trotzdem versucht – und Weltkarriere gemacht. Neben klassischen Kompositionen – z. B. von Debussy oder Smetana – spielt er auch Flamenco oder zeitgenössische Musik. Beim diesjährigen Schleswig-Holstein Musik Festival ist er „Porträtkünstler“. Wegen Corona mit weniger Auftritten als geplant, aber er spielt u. a. mit dem Mahler Chamber Orchestra oder Daniel Hope. Am 29. August wird de Maistre in der Elbphilharmonie auftreten, im Oktober erscheint sein neues Album mit Rolando Villazon. „ttt“ porträtiert den ungewöhnlichen Musiker.
Im Internet unter www.DasErste.de/ttt
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