ViP plant den Potsdamer Nahverkehr der Zukunft / Flottenstrategien und Digitalisierung / Info zur Situation um Corona

Die Geschäftsführung der ViP Verkehrsbetrieb Potsdam GmbH informierte heute über die Ideen für den öffentlichen Personennahverkehr der kommenden Jahre. Schwerpunkt bilden die Planung für die Weiterentwicklung der Fahrzeugflotte auf Schiene und Straße sowie die Weiterentwicklung der ViP zum umfassenden Mobilitätsdienstleister und -vermittler.

ViP-Geschäftsführer Uwe Loeschmann: „Die künftige ViP-Busflotte wird schrittweise konsequent an den Vorgaben der europäischen Clean-Vehicle-Directive (CVD) ausgerichtet, in Teilbereichen ist dies bereits der Fall. Die Reichweiten der auf dem Markt befindlichen E-Busse erfüllen aktuell nur für ausgewählte Linien die ViP-Anforderungen. Kapazitäten und Ladekonzepte müssen weiterentwickelt werden. Über Modellprojekte werden wir als ViP die Elektrifizierung der Flotte mit der Erweiterung und Digitalisierung des Angebots verbinden.“

Das Stufenmodell der Clean-Vehicle-Directive sieht vor, dass deutschlandweit neuange­schaffte Busse ab August 2021 mindestens zu 45 % saubere Technologien nutzen müssen, ab 2026 soll dieser Anteil bei mindestens zu 65% liegen. Die genaue Auslegung und Umsetzung wird derzeit auf Länderebene diskutiert. Aktuell sind fünf so genannte Mild-Hybrid-Fahrzeuge von MAN die effizientesten Fahrzeuge in der ViP-Flotte. Neun weitere derartige Busse werden im dritten Quartal in die Flotte integriert.

Rund zwei Drittel aller ViP-Fahrgäste sind bereits elektrisch mit der Tram und damit sehr klimaschonend unterwegs. Das Beschaffungsverfahren für 25 neue Straßenbahnen wurde am 15. Oktober 2020 gestartet und liegt im Zeitplan. Uwe Loeschmann: „Aktuell laufen die Bietergespräche, die Vergabeentscheidung ist für das vierte Quartal dieses Jahres geplant.“ Hauptkriterien sind ein Fassungsvermögen von ca. 250 Fahrgästen, ein Sitzplatzanteil von rund einem Drittel der Gesamtkapazität, ein 100 % Niederfluranteil bezogen auf den Raum von erster bis letzter Tür. Eine Sitzbreite von mindestens 4,25 m, eine Raumaufteilung und Türgestaltung und -platzierung, die einen verbesserten Fahrgastwechsel an Haltestellen ermöglichen, sind ebenfalls gefordert. Die Fahrzeuge in Stahlbauweise sollen einen klimatisierten Fahrgastraum haben, energiesparend konzipiert sein und über Fahrer­assistenz­systeme verfügen.

Ein erster Schritt für den Einstieg in die Elektromobilität im Quartiersverkehr soll, wenn möglich, bis 2023 erfolgen. Dabei soll der Standort Medienstadt Babelsberg als Modell­projekt dienen. Aus diesem Grund hat sich die ViP gemeinsam mit der Landeshauptstadt am bundesweiten Wettbewerb für „Modellprojekte zur Verbesserung der ÖPNV-Qualität“ beteiligt. Ausrichter ist das Bundesministerium für Mobilität, Verkehr und Infrastruktur (BMVI). Gefördert werden u. a. Elektrobusangebote, On-Demand-Verkehre und Mobilitäts-APPs.

Das eingereichte Konzept beinhaltet u. a. eine Angebotsverdichtung in Wohnquartieren durch den Einsatz von kleineren Elektrobussen. In diesem Sommer wird die Entscheidung des BMVI über die Fördergelder erwartet. Der Vorteil der geplanten Quartiersverkehre sind E-Bus-konforme Tagesfahrleistungen. Zielstellung ist es, nach einem erfolgreichen Projektverlauf das Modell in zukünftig auch in weiteren Wohn­quar­tieren umzusetzen.

Uwe Loeschmann: „Unser strategischer Ansatz ist es, keine Diversifizierung der Antriebs­technologien mit Fokus auf die aktuelle Flottengröße vorzunehmen. Dies würde perspek­tivisch die Flexibilität des Fahrzeugeinsatzes auf definierte Buslinien einschränken und einen höheren Fahrzeugbedarf erfordern. Wir werden auch die Wirtschaftlichkeit der Dekarbonisierung der Flotte mit Blick auf eine mögliche Integration von Wasserstoffbussen untersuchen – auch in Zusammenarbeit mit Partnern innerhalb der Stadtwerke.“

Auch im Bereich des Vertriebes stellt sich die ViP den Herausforderungen der Zukunft und arbeitet an der Weiterentwicklung des Geschäftsmodells. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Weiterentwicklung der bisherigen Angebote. Neben dem Betrieb von Bussen und Straßenbahnen und der Fähre soll die Vermittlung von gesamthaften Mobilitäts­dienstleistungen angeboten und die Digitalisierung des Vertriebes vorangetrieben werden. Mit der mobiagentur im Potsdamer Hauptbahnhof wurde ein erster großer Schritt bereits im vergangenen Jahr gemacht. Perspektivisch stehen die Themen Firmenberatung und die Realisierung einer digitalen Mobilitätsplattform im Fokus.

Jörg Mühling, Abteilungsleiter Vertrieb/Marketing der ViP: „Es geht um die ganzheitliche Kundensicht. Nach einmaliger Registrierung für alle Dienstleistungen sollen unsere Kunden die Bündelung aller Informationen auf einer Plattform erleben. Sie können ihre Mobilitäts­belange bedarfsgerecht mit freiwählbarem Start- und Zielpunkt buchen und werden eine Übersicht der abzurechnenden Dienstleistungen in einer Mobilitätsrechnung erhalten.“

Auch hier sind konkrete Projekte bereits in Umsetzung, darunter die Simulation einer autonomen Mobilität unter Realbedingungen zwischen Standorten der Stadtwerke Potsdam mit dem Ziel das betriebliche Mobilitätsmanagement bei den Unternehmen der SWP zu testen. Gleichzeitig sollen „On-Demand-Verkehre“ im Bornstedter Feld erprobt werden.

ViP-Geschäftsführerin Claudia Wiest informierte im Rahmen des Pressegesprächs über den Umgang mit der Pandemie im Unternehmen und über die wirtschaftlichen Folgen für die ViP. Mit Blick auf mehrere Studien in Deutschland und eigene Aktivitäten der ViP zur Eindämmung stellte sie fest: „Der ÖPNV in Potsdam stellt auch weiterhin ein sicheres Beförderungs­angebot dar. Dafür sorgen wir mit unserem Hygienekonzept. Bus- und Tramfahrer gehören zur Impfgruppe 3 und sind systemrelevant. Wie die meisten Menschen hoffen auch wir auf baldige Impfmöglichkeiten für unsere Mitarbeiter*innen.“

Die Maskentragepflicht wird durch die Fahrgäste gut eingehalten, auch nach dem Übergang auf die FFP2-Maskenpflicht bei Inzidenzen über 100 – entsprechend Infektionsschutzgesetz des Bundes („Bundesnotbremse“). Entsprechende Fahrgastinformationen, die Masken-Verteilung vor Ort, Aufklärungs- und Informationsaktionen für Fahrgäste und die regelmäßige Desinfektion der Fahrzeuge sind weitere Bausteine im Kampf gegen Corona. Insgesamt hat die ViP bisher rund 300.000 Euro für Corona-Maßnahmen aufgewendet.

In 2020 hat die ViP hat rund 94% des regulären Fahrplanangebotes erbracht, trotz des branchenweit deutlichen Rückgangs der Fahrgastzahlen. Die ViP hat über die Rettungs­schirme von Bund und Land für 2020 rund 3,5 Mio. € erhalten, womit die Fahrgeldausfälle gegenüber dem Niveau von 2019 ausgeglichen wurden. Claudia Wiest: „Für das Jahr 2021 sind die Einnahmeverluste der ViP noch nicht seriös abschätzbar. Sie hängen von der Impfgeschwindigkeit, dem vielleicht wegen neuer Homeoffice-Modelle geänderten Mobilitäts­verhalten und natürlich vom Hochfahren der Touristik und der Wirtschaft ab. Trotz des Lockdowns und diverser temporärer Einschränkungen des öffentlichen Lebens werden wir – in Absprache mit unserem Aufgabenträger, der Stadt Potsdam – unseren Kunden weiter das volle Fahrplanangebot garantieren.“

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