Virtual Reality „Made in the Capital Region“: Festivalsommer, Branchenausblick, Förderrückblick

Berlin/Potsdam – Cannes XR, Venice VR Expanded, Sundance VR, Tribeca Immersive: Für fast alle großen Filmfestivals gehört der Bereich Immersive mittlerweile zum festen Bestandteil des Programms und Markts. Auch die Zahl der „Immersive Only“-Festivals nimmt zu. Der VR-Festivalsommer startet und MBB-geförderte Projekte präsentieren sich von New York bis Sheffield: „KUSUNDA“ und „BYSTANDING“ feiern ihre Weltpremieren bei Tribeca Immersive (Tribeca Filmfestival), „MYRIAD“ ist zum Sheffield DocFest eingeladen.

Viele Berlin-Brandenburger Unternehmen haben auch in der Corona-Pandemie Kreativität und Mut bewiesen, neue Formate, Partner und Geschäftsmodelle für sich erschlossen und VR-Inhalte für vielfältige Kontexte produziert. Diese Entwicklung unterstützt das MBB mit seiner Förderung für Virtual und Augmented Reality – 2020 mit einer Summe in Höhe von 885.000 Euro, 39 % mehr als im Vorjahr. Die Förderung von 10 Projekten löste 2,9 Mio. Euro Ausgaben in der Region aus, was eine Steigerung des Regionaleffekts von über 60 % ermöglichte.

Förderung Immersive im Programm „Innovative Audiovisuelle Inhalte“
Fördersumme 2020: 885.000 Euro
Fördersumme 2019: 637.000 Euro
= eine Steigerung von 39 %
Geförderte Projekte 2020: 10
Regionaleffekt (Ausgaben in der Region) 2020: 2,9 Mio. Euro
Regionalaffekt 2019: 1,8 Mio. Euro
= eine Steigerung von 61 %

Helge Jürgens, Geschäftsführer New-Media-Förderung Medienboard Berlin-Brandenburg: „Die Corona-Krise hat gezeigt, wie agil die Berlin-Brandenburger Produzent:innen von VR-Inhalten auf neue Entwicklungen und Bedarfe reagiert haben. Wir freuen uns gemeinsam mit ihnen auf den Start in die VR-Festivalsaison, die den Unternehmen wieder die Möglichkeit gibt, ihre Projekte präsentieren und vermarkten zu können. Virtual Production is coming – wir begrüßen die Investition von Berlin und Brandenburg in Höhe von 13 Mio. Euro, um die digitale Produktionstechnik zu fördern. Dazu gehört auch der verstärkte Einsatz der XR-Technologie.“

Virtual Reality „Made in Berlin-Brandenburg“ auf internationalen Festivals

Bei Tribeca Immersive (9.-20. Juni) in New York feiern gleich zwei MBB-geförderte Projekte ihre Weltpremieren: „BYSTANDING: The Feingold Syndrome“ (AnotherWorld VR), eine interaktive VR-Doku-Fiction über die Dynamik innerhalb einer Freundes-Clique, die Beobachter eines Kajak-Unfalls wird, und „KUSUNDA“ (NowHere Media/INVR.SPACE), eine dokumentarische VR-Experience, die die User nach Nepal, in die Welt der indigenen Sprache Kusunda, führt. Auf dem Sheffield DocFest (4.-13. Juni) präsentiert sich „MYRIAD“, eine künstlerisch-poetische VR-Experience zu Tiermigration, beim renommierten Pitching-Forum, dem Art Talents Market. Die interaktive VR-Serie „African Space Makers“ (INVR.SPACE, MBB-Fördernehmer), die bereits bei EFM Horizon @ Berlinale 2020 zu erleben war, wurde zum Pixii Festival La Rochelle (19.-24. Juni) eingeladen, außerdem zur Doc Edge XR Village (3. Juni – 11. Juli) nach Neuseeland.

Kreativ durch die Krise: Neue Partner, neue Geschäftsmodelle

Während der Corona-Krise haben viele Technologien einen Boom erlebt, darunter auch Virtual, Mixed und Augmented Reality. Viele Projekte zeigen, welche Möglichkeiten die VR-Technologie eröffnet und auch in Zukunft ausfüllen kann. 2020 war für die Branche dementsprechend eines der ereignisreichsten Jahre. Pandemie-bedingt fanden Konzerte, Festivals, Messen oder Fashion Shows in VR statt. Die Chance dieser neuen Geschäftsfelder nutzen auch viele Berlin-Brandenburger Produzent:innen:

„Eines der spannendsten Projekte für uns war die Umsetzung der ‚Balenciaga Fall 21 Runway Show‘ in VR. Denn Corona-bedingt fand die Präsentation der neuen Balenciaga-Kollektion komplett in VR statt und diese wurde weltweit auf über 200 Headsets an das sonst in persona dagewesene Publikum verschickt.“
Ioulia Isserlis, AnotherWorld VR

Neue Veranstaltungsplattformen sind für die Branche eine große Chance, denn viele Veranstalter waren im Pandemie-Jahr auf der Suche nach attraktiven Event-Alternativen:

„Das vergangene Jahr hat neue Horizonte eröffnet und es der AR- und VR-Industrie ermöglicht, sich in verschiedene Richtungen zu entwickeln. Das 64. London Film Festival hat sein virtuelles Museum ‚The Expanse‘ eröffnet und das VRHAM! Festival öffnete seine virtuellen Türen mit 18 internationalen Kunstwerken und Workshops. Das Festival fühlte sich genauso an, als würde man die Venue betreten!“
Sönke Kirchhof, INVR.SPACE

Mit VR den Wandel gestalten: die Idee, VR-Technologie für das dokumentarische Erzählen zu nutzen, gibt es schon seit Jahren – doch der Trend verstärkt sich, auch durch Corona:

„Mit unserem Projekt ‚MYRIAD‘ über Tiermigration veranschaulichen wir mit Hilfe interaktiver, immersiver und emotionaler Formate, wie sehr unsere Welt in sich vernetzt ist. Gleichzeitig wollen wir Wege zum Wandel aufzeigen. Denn die Corona-Krise hat auch in unserem Team das Bewusstsein dafür gestärkt, dass das Handeln des Menschen weitreichende Konsequenzen für Ökosysteme hat. Diesen Impuls wollen wir nutzen, um uns in Zukunft für klimaneutralere Alternativen in unserem Tun einzusetzen.“
Saskia Kress, Filmtank (MYRIAD wurde 2020 gefördert)

VR-Standort Berlin und Babelsberg: Events und Studios

Das MBB unterstützt die VR-Branche der Hauptstadtregion nicht nur durch Content-Förderung, sondern auch durch Veranstaltungen in diesem Bereich. Die VR NOW Awards zeichnen am 22. Juni in einer Online-Show erneut die besten VR-Anwendungen in den Kategorien Technology, Cinema, Industry und Entertainment aus. Die VR NOW Awards sind der erste europäische Preis für XR-Projekte (Virtual, Augmented und Mixed VR sowie Cinematic VR). Seit 2016 wird er in der Hauptstadtregion verliehen und vom MBB gefördert. VR NOW Awards 2021 – VR NOW Con & Awards

Mit dem Volucap (u.a. Gewinner der VR NOW Awards in den Kategorien „VR Technology Award“ und „VR NOW Grand Prize“ und des Innovationspreises Brandenburg) ist der Standort Babelsberg mit einem der modernsten volumetrischen Studios Europas ausgestattet. Produziert wurden hier zum Beispiel die MBB-geförderten VR-Experiences „The Monk by the Sea“ (gebrueder beetz filmproduktion), „Walking Home Alone Tonight“ (Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF) und „Ernst Grube – The Legacy“ (UFA in Zusammenarbeit mit Fraunhofer HHI). Im Mai ist in der Medienstadt außerdem Europas erstes permanentes LED-Volume DARK BAY in Betrieb genommen worden, das als eine der größten virtuellen Filmkulissen Europas auch international neue Maßstäbe setzt. Und in Berlin wurde mit dem volumetrischen Studio VVOW, einer Kooperation von Fraunhofer HHI, Trotzkind und reallifefilm international, ein Produktionssystem für die Integration von dynamischen 3D-Rekonstruktionen von Personen in Virtual-Reality- und Augmented-Reality-Anwendungen geschaffen.

„Die COVID-19-Pandemie hat dazu geführt, dass wir uns intensiv mit der Weiterentwicklung unserer Pipeline und der Qualitätsverbesserung unserer Produkte beschäftigt haben. Das hat zu einem großen technologischen Sprung innerhalb der Volucap geführt. Ursprünglich wollten wir bis 2024 technologisch soweit sein, erstmals Volumetrie auch für Kinoproduktionen anbieten zu können. Durch den beschleunigten Ausbau konnten wir unsere Lösungen bereits 2020 erfolgreich in großen Hollywoodproduktionen einsetzen.“
Sven Bliedung von der Heide, Volucap

%d Bloggern gefällt das: