„Wegweisend“: Liedtke, Woidke und Przylebski würdigen 30. Jahrestag des Deutsch-Polnischen Nachbarschaftsvertrages

Landtagspräsidentin Prof. Dr. Ulrike Liedtke, Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke und der Botschafter der Republik Polen, S.E. Andrzej Przylebski, haben heute in einer Feierstunde im Brandenburger Parlament den „Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Polen über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit“ als wegweisend gewürdigt. Das Abkommen wurde am 17. Juni 1991 von den Regierungschefs und Außenministern beider Staaten unterzeichnet. Zeitgleich mit dem Deutsch-Polnischen Nachbarschaftsvertrag wurde die Gründung des Deutsch-Polnischen Jugendwerkes vereinbart.

 

Landtagspräsidentin Ulrike Liedtke sagte in ihrer Rede: „Das Nachbarschaftsabkommen war ein Meilenstein in den Beziehungen unserer Länder. Und es ist noch immer eine der wichtigsten Grundlagen für den Austausch zwischen Polen und Deutschland auf allen Ebenen wie auch für das Miteinander in Europa. Unsere Verbindung ist immer enger geworden und vor allem: immer menschlicher und herzlicher. Hervorheben möchte ich den Jugendaustausch. Das Deutsch-Polnische Jugendwerk feiert heute ebenfalls sein 30. Jubiläum. Dass es seinen Sitz neben Warschau in Potsdam hat, ist für Brandenburg ein Grund zur Freude. Drei Millionen junge Menschen haben seit 1991 an den Austauschprogrammen teilgenommen – eine beeindruckende Zahl! Die entstandenen Kontakte wirken ein Leben lang, für die Beteiligten selbst und für unsere Gesellschaften. Ich bin überzeugt, dass die Polinnen und Polen und die Deutschen gemeinsam viel dazu beitragen können, die europäischen Grundwerte zu bewahren und zu leben. Wenn wir die besten Traditionen unserer Länder zusammenbringen, kann es kaum schiefgehen mit der demokratischen, humanen, toleranten Gemeinschaft in Europa.“

Der Ministerpräsident und Koordinator der Bundesregierung für die deutsch-polnische zwischengesellschaftliche und grenznahe Zusammenarbeit, Dietmar Woidke, sagte: „Seit drei Jahrzehnten gestalten wir unser Zusammenleben auf der Grundlage dieses Vertrags im Geiste guter Nachbarschaft und Freundschaft, mit enger und partnerschaftlicher Zusammenarbeit auf allen Gebieten und in europäischer Verantwortung. Gerade in der Grenzregion ist die deutsch-polnische Zusammenarbeit ein Lebenselixier geworden. Das Verbindende zwischen Brandenburg und Polen steht entlang der Oder im Vordergrund. Vernetzung und Verflechtung nehmen zu. Grenzüberschreitend denken und handeln wird alltäglich. Es gibt so viele persönliche und berufliche Verbindungen, die auch mancher politischen Irritation trotzen würden. Ausruhen dürfen wir uns auf diesen Erfolgen nicht. Gute Nachbarschaft braucht beständige Pflege, neuen Input, Weiterentwicklung. Deshalb sollten wir gerade jetzt, zum Jubiläum, den Blick nach vorn richten. Brandenburg sieht für die Zukunft unverändert große Chancen und Potenziale im deutsch-polnischen Verflechtungsraum und darüber hinaus. Gemeinsam mit unseren polnischen Partnern wollen wir Fürsprecher und Gestalter guter deutsch-polnischer Nachbarschaft im Herzen Europas sein.“

Der Botschafter der Republik Polen, Andrzej Przylebski, sagte in seiner Ansprache: „Heute ist es 30 Jahre her, dass Polen und Deutschland den Vertrag über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit unterzeichnet haben. Es ist ein Rechtsakt, der bis heute unsere Beziehungen prägt, ein Akt, der uns gewissermaßen zum friedlichen Zusammenleben, zum freundschaftlichen Miteinander, zum Wohle der ganzen Menschheit eingeladen hatte. Es ist auch ein Beispiel dafür, dass Jahrhunderte von Ressentiments, sogar Hass, sich in eine freundschaftliche Nachbarschaft verwandeln können. Kürzlich habe ich den Medienberichten entnommen, dass das Land Brandenburg vorhat, die Landesverfassung zu ändern, um die Freundschaft zu Polen in der Verfassung zu verankern. Ich muss zugeben, dass mich das zutiefst berührt hat, denn es ist ein perfektes Signal auch für andere Bundesländer, nicht nur für die, die an mein Land grenzen. Ich kann jedoch nur hinzufügen, dass die Freundschaftserklärung eine enorme Verpflichtung ist. Denn von Freunden wird mehr verlangt als von gewöhnlichen Bekannten oder Nachbarn.“

Die Feierstunde fand im Plenarsaal statt und wurde per Livestream übertragen. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung durch Aleksandra Dzwonkowska-Wawrzyniak (Polen) auf dem Marimbaphon.

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