Weltspiegel am Sonntag, 19. September 2021, um 19:20 Uhr im Ersten

Geplante Themen:
Afghanistan: Das Land der Taliban
Etwa einen Monat ist es her, dass die Taliban Kabul eingenommen haben. Mit der Bildung einer Übergangsregierung haben sie ihren Machtanspruch in Afghanistan untermauert. Seitdem die Taliban in der Verantwortung stehen, hat sich im Land viel verändert: In den Universitäten müssen Frauen und Männer getrennt voneinander studieren. Viele Frauen dürfen ihrem Beruf nicht mehr nachgehen. Manche müssen sich verstecken und fürchten um ihr Leben.
Autor: Oliver Mayer, ARD Neu-Delhi
Tadschikistan: Das Leiden der afghanischen Frauen
Nijosa Ayni wischt sich die Tränen aus den Augen: Gerade hat sie mit einer Afghanin in Kabul videotelefoniert, die an Aynis „Digital Arts Academy“ teilgenommen hat: „Du verstehst, wie schlecht es diesen Menschen gerade geht, aber du kannst nichts machen außer Empfehlungsschreiben schicken.“ In dem Workshop hat die junge Frau aus der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe zwei Jahre lang tadschikische und afghanische Frauen zusammengebracht, ihnen Computerfähigkeiten und Grafikdesign beigebracht. Nach der Machtübernahme der Taliban können afghanische Frauen jetzt wohl nicht mehr kommen.
Autor: Demian von Osten, ARD Moskau
Ägypten: Mit dem Al-Qaida-Chef in Haft – wie ein Ex-Terrorfürst die Sicherheitslage sieht
Ende der 70er-Jahre gründete Nageh Ibrahim in Ägypten eine Terrorgruppe, um einen wahrhaft islamischen Staat zu gründen. Als Emir von „Gama Islamia“ wollte der junge Islamist die „Ungläubigen“ an der Spitze des Staates mit Waffengewalt stürzen. Dafür musste er 24 Jahre ins Gefängnis. Einer seiner Zellennachbarn war der heutige Al-Qaida-Chef Zawahiri, ein höflicher Mann – aber zu radikal, wie Ibrahim heute findet.
Wie schätzt er die Terrorgefahren nach dem Comeback der Taliban ein, nach dem jüngsten Droh-Video Zawahiris? Uns hat er seltene Einblicke gewährt.
Autor: Daniel Hechler, ARD Kairo
China: Taliban – Partner oder großes Problem?
Es war ein denkwürdiges Treffen im chinesischen Qingdao im Juli: Rund zwei Wochen vor ihrer Machtübernahme posierte Chinas Außenminister Wang Yi mit einer Delegation der Taliban vor Kameras. Eine symbolische Handlung, die den neuen Machthabern in Kabul schon früh einige Legitimation verschafft hat.
Viele Chinesen sind jetzt nicht mehr im Land, aber Pekings Führung hat demonstrativ die Botschaft in Kabul offen gelassen. In der chinesischen Handelsmetropole Yiwu treffen wir mit Afghanen zusammen, die von dort chinesische Produkte in ihre Heimat exportieren. Welche Chancen sehen sie?
Autor: Daniel Satra, ARD Peking
Italien: Gelungene Integration – über den Magen
In Rom soll es einen vorzüglichen Brotbäcker geben, der echtes arabisches Brot backt. Wir haben ihn gefunden: Ali Alawi kam 2011 als Flüchtling aus der irakischen Stadt Mossul. Und es hat sich gelohnt: Ali verkauft 1000 Brote am Tag – die Italiener lieben es.
Nur ein Beispiel von vielen, wie direkt und unmittelbar der Kontakt zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft sein kann und Vorteile für alle Seiten bietet.
Autorin: Natalie Amiri, ARD München
Niederlande: Ein Holocaust-Mahnmal nach jahrelangem Streit
Nirgendwo in Europa standen die Überlebenschancen für Juden so schlecht wie in den Niederlanden: Drei von vier Bürgerinnen und Bürgern jüdischen Glaubens überlebten den Holocaust nicht.
Mit jahrelanger Verzögerung und nach Rechtsstreitigkeiten mit Anwohnern bekommen sie jetzt endlich ihr Holocaust-Mahnmal: Eine Wand aus 102.000 Backsteinen mit eingravierten Namen – ein Stein für jedes niederländische Holocaust-Opfer. Den ersten Stein legte Jacqueline van Maarsen, die beste Freundin von Anne Frank. Jacqueline hat mit Glück überlebt und stiftete 50.000 Euro für das Mahnmal.
Autorin: Gudrun Engel, ARD Brüssel
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