Weltspiegel – Auslandskorrespondenten berichten am Sonntag, 11. Oktober 2020, um 19:20 Uhr vom BR im Ersten

Geplante Themen:
USA: Der amerikanische Patient
Donald Trump stellt neuerdings eine kostenlose Behandlung für Covid-19-Patienten mit Antikörper-Mitteln in Aussicht. Wie praktikabel und finanzierbar das Ganze wäre, lässt der Wahlkämpfer zurzeit offen. Offen bleiben auch Fragen nach dem Gesundheitszustand des mächtigsten Mannes der Welt. Wie krank ist er wirklich? Wie viele hat er angesteckt? Wie erfolgreich war seine Therapie? Die als verabreicht deklarierten Medikamente sprechen für einen schweren Verlauf. Noch sei Trump nicht über den Berg, sagen die behandelnden Ärzte und nennen den Wochenanfang als Termin einer möglichen Genesung. (Autor: Stefan Niemann, ARD Washington)
Fernando de Noronha: Nach eigenen Angaben Covid-19-frei – wie geht das?
Ein positiver Corona-Test scheint derzeit Voraussetzung für jeden zu sein, der auf den paradiesischen Archipel Fernando de Noronha reisen will. Die Insel vor der Atlantikküste Brasiliens ist einer der ganz wenigen Orte weltweit, die Corona-frei geblieben sein sollen. Eine frühe, strikte Quarantäne und strenge Auflagen haben dies wohl möglich gemacht. Wer nun, nach Wiedereröffnung des Tourismus, keinen positiven Antikörpertest vorweisen kann, darf den Flug nicht antreten. Die Insel ist ein idyllisches Naturschutzgebiet. Hier leben Zitronenhaie, Delfine und Rochen ungestört, da für Fernando de Noronha strenge Umweltauflagen gelten. Brasiliens Präsident Bolsonaro will den Archipel zwar für Massentourismus und Kreuzfahrtschiffe öffnen, doch der lokale Verwalter hält davon nichts. Und auch der frühere Hai-Fänger und heutige Hai-Forscher Leo Bertrand findet, dass sich der Tourismus in Grenzen halten müsse. Ein Besuch im von offizieller Seite garantierten Covid-19-freien Paradies. (Autor: Matthias Ebert, ARD Rio de Janeiro)
Frankreich: Sorge vor deutscher Gründlichkeit
Während in Frankreich die Corona-Zahlen rapide steigen, plant die deutsche Bundesregierung neue, verschärfte Einreisevorschriften. Die Menschen im französisch-deutschen Grenzgebiet haben noch bittere Erinnerungen an das Frühjahr, als plötzlich und ohne Vorwarnung von deutscher Seite die Schlagbäume heruntergingen: Julia, Mutter von fünf Kindern, konnte ihren Vater auf der deutschen Seite nicht mehr besuchen; die deutschen Grenzbeamten ließen sie nicht passieren. Sie schlich sich heimlich durch den Wald. Gérard, der seit 45 Jahren in einer deutschen Firma arbeitet, wurde der Zutritt verwehrt. Sie alle sagen: Da hat Europa total versagt.
Christoph Arend ist französischer Abgeordneter und Vorsitzender der deutsch-französischen Parlamentarierversammlung. Er kämpft dafür, dass – trotz Corona – die Grenzen offenbleiben und vor allem die Zusammenarbeit vertieft, statt abgeschnitten wird. Er sagt: Sonst könnten die Rechtsextremen und die Nationalisten Recht damit behalten, dass Europa am Ende sei. (Autorin: Sabine Rau, ARD Paris)
Litauen: Belarussinnen im Exil hoffen auf Rückkehr
Litauen und Belarus verbindet eine lange Geschichte. Zu Zeiten des Großfürstentums Litauen gehörten beide Länder einmal zusammen. Das Aufbegehren der Bürger in Europas letzter Diktatur, Belarus, hat die Menschen auf beiden Seiten der Grenze nun wieder einander nähergebracht. Tausende von Bürgern aus Belarus suchen in Litauen eine neue Heimat. Viele fliehen vor der Gewalt des Regimes von Alexander Lukaschenko. Zu ihnen gehören auch Olga und Svetlana, die seit kurzem in einem Appartement in Vilnius leben. Sie haben sich dem Zugriff der Justiz in ihrer Heimat entzogen. Versorgt werden sie von Natalija Kolegova, die selbst vor 20 Jahren Belarus verlassen hat.
Das kleine Litauen hat die Einreise für die Menschen aus Belarus erheblich erleichtert – trotz Covid-19. Und Außenminister Linkevičius fordert auch von Europa eine härtere Linie: „Wir müssen Moskau klarmachen, dass es nicht weiter auf das Regime von Lukaschenko setzen sollte.“ (Autor: Christian Stichler, ARD Stockholm)
China:  Förderung für abgehängte Kinder auf dem Land
Guo Guo ist drei Jahre alt, lebt bei ihrer Oma auf dem Dorf und gehört zu Chinas zurückgelassenen Kindern. Geschätzt 69 Millionen teilen ihr Schicksal. Ihre Eltern ziehen oft als Wanderarbeiter auf der Suche nach Jobs in Chinas Millionenstädte, unterstützen ihre Familien in der Heimatprovinz mit Geld, aber kommen meist nur einmal im Jahr für einige Woche nach Hause. Die Erziehung der Enkel übernehmen Oma und Opa. Das birgt Probleme, denn gerade ohne frühkindliche Förderung bleiben große Defizite. Deshalb bekommen Kleinkinder wie Guo Guo einmal pro Woche Besuch von einer Familienbeauftragten. Sie bringt Guo Guos Oma bei, wie sie das Kind spielerisch fördert mit Bilderbüchern, Bauklötzen, kleinen Aufgaben – anstatt das Kind einfach sich selbst zu überlassen. Ein kleiner Erfolg für Guo Guo, aber Millionen anderen Kleinkindern in China fehlt diese Chance. (Autor: Daniel Satra, ARD Peking)
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