Weltspiegel – Auslandskorrespondenten berichten am Sonntag, 22. August 2021, um 19:20 Uhr vom BR im Ersten

Geplante Themen:
Afghanistan: Die Versprechen der Taliban
Die Lage am Flughafen Kabul spitzt sich weiter zu. Die Taliban haben Menschen zum Verlassen des Flughafens aufgefordert und inzwischen Warnschüsse abgefeuert. Viele Afghanen wollen weg – trotz Zusicherung der Taliban, dass sie als neue Ordnungsmacht nicht mehr die brutalen Gotteskrieger der 1990er Jahre seien. Warum wollen sich Teile der Afghanen nicht darauf verlassen?
Autorin: Sybille Licht, Oliver Mayer, ARD Neu Delhi
Afghanistan: Auf der Flucht
Mariam hat sich immer davor gefürchtet, dass die Taliban die Macht in ihrem Land wieder übernehmen. In einem Interview sagte die Restaurantbesitzerin und Feministin noch vor ein paar Wochen, wenn nötig, würde sie Waffen gegen die Taliban in die Hand nehmen. Jetzt muss sie um ihr Leben fürchten: Sie kauft sich Nahrungsmittel für einen Monat, will sich zuhause verbarrikadieren, packt dann doch ihre Sachen. Zuhause könnten sie die Taliban abholen…
Autorin: Natalie Amiri, ARD München
USA: Veteranen zwischen Schmerz und Erleichterung
20 Jahre lang waren US-Soldaten in Afghanistan stationiert. Auf immer wiederkehrenden Einsätzen verloren mehr als 2400 US-Soldaten ihr Leben, andere ihre Arme und Beine oder ihre psychische Gesundheit. Illusionen über ihren Einsatz hatten die wenigsten: Viele sprechen über das ernüchternde Gefühl vor Ort, dass dieser Krieg für die USA nicht zu gewinnen war und dass sie deswegen einen Abzug prinzipiell befürworten. Und doch empfinden die meisten den überhasteten chaotischen Abgang jetzt als unwürdig. Einige sind noch in Kontakt mit afghanischen Ortskräften und schämen sich dafür, wie diese entgegen aller Versprechen zurückgelassen werden.
Autorin: Verena Bünten, ARD Washington D.C.
Spanien: Benidorm – Urlaub zwischen Wolkenkratzern
Benidorm, an Spaniens Costa Blanca gelegen, gilt vielen als Stein und Beton gewordenes Symbol des Massentourismus. Der Ort besitzt die größte Hochhausdichte weltweit: 345 Gebäude mit mehr als zwölf Etagen. Und nun kommt noch ein besonders imposantes hinzu: der Intempo-Wolkenkratzer, mit 198 Metern der höchste Wohnturm Europas. Zwei schwere Krisen hat das Bauwerk durchlebt: Finanzcrash und Pandemie. Jetzt wird der Turm nach 15 Jahren und zwei Wirtschaftskrisen später endlich fertig. Ein gutes Zeichen für Tourismus und Wirtschaft? Das spanische „Little Manhattan“ an der Küste wächst weiter wie zuvor.
Autor: Stefan Schaaf, ARD Madrid
Brasilien: Padre Júlios Kampf gegen das Corona-Elend
Obdachlose gibt es in Brasiliens reicher Wirtschaftsmetropole São Paulo schon seit Jahren, aber Corona hat den Kontrast zwischen dem Wohlstand der einen und der Armut der anderen ins Unerträgliche gesteigert. Das liegt auch an der Politik von Präsident Jair Bolsonaro: Einer der schärfsten Kritiker des rechtsextremen Präsidenten ist Padre Júlio Lancellotti. Er wirft Bolsonaro vor, sich der ärmeren Bevölkerungsschicht in Brasilien entledigen zu wollen durch Nichtstun in der Corona-Krise: Manchmal würden Menschen entsorgt wie Müll: „Leute, die man loswerden will, weil man sie als nutzlos betrachtet. Und genau das erleben wir hier.“
Autor: Volker Schwenck, ARD Rio de Janeiro
Türkei: Sonst bringt er uns um – Wie Frauen um das Überleben kämpfen
Femizide sind ein weltweites Problem, die Zahl steigt jedes Jahr. In der Türkei wird fast jeden Tag eine Frau von einem Mann aus ihrem engsten Umfeld ermordet oder schwer verletzt. Viele Fälle werden gar nicht bekannt, die Dunkelziffer ist hoch. Wir treffen zwei Frauen in Istanbul, die für ihre Rechte und ihr Leben kämpfen: Irem und Sabiha. Sabiha hat nur knapp mehrere Mordversuche ihres Ex-Mannes überlebt. Sie wird wahrscheinlich nie wieder laufen können. Vor Gericht soll sie den Täter wiedersehen. Trotz dieser Belastung hofft sie auf eine Signalwirkung, doch der Ausgang des Prozesses ist ungewiss.
Autorinnen: Sümeyye Uğur, Julia Schuster, Jasmin Brock und Mariia Fedorova, ARD München
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