Wenn das Bambus-Geschirr gesundheitsschädliche Kunststoffe enthält

Verbraucherzentrale Brandenburg (VZB) rät: Kein Kunststoffgeschirr mit Bambus-, Reis- oder Weizenfasern kaufen

Einwegverpackungen und -geschirr sowie Coffee-to-go-Becher aus Plastik sind nicht nur bei Verbraucher:innen verpönt, sondern zum Teil auch seit Mitte diesen Jahres gesetzlich verboten. Sie landen nach einmaliger Benutzung nicht selten in der Natur, sind kaum recycelbar und nicht nachhaltig. Verschiedene Produzenten bieten inzwischen scheinbar nachhaltige Alternativen aus Bambus und anderen Naturmaterialien an. Doch Vorsicht: Viele dieser Produkte bestehen ebenfalls aus Kunststoffen wie Melamin- oder Formaldehydharz und können beim Kontakt mit heißen Getränken und Speisen gesundheitsschädlich sein. Die VZB informiert über Gefahren und sichere Alternativen.

Verbraucher:innen sehen sich einem stetig wachsenden Angebot an Einweg-Geschirr und Coffee-to-go-Bechern aus Naturmaterialien wie Bambus(mehl), Reishülsen und Weizenstroh gegenüber. Viele Anbieter bewerben ihr Bambus-Geschirr zudem als recycelbar, natürlich und Alternative zu Plastik. „Tatsächlich können Verbraucher gar nicht auf den ersten Blick erkennen, ob es sich bei diesen Produkten um reine Naturmaterialien oder Kunststoffgemische handelt“, kritisiert Veronika Wrobel, Verbraucherberaterin für Lebensmittel und Ernährung bei der Verbraucherzentrale Brandenburg. Häufig besteht das vermeintliche Bambus-Geschirr nicht nur aus Bambus und anderen Naturmaterialien, sondern auch aus Kunststoffen wie Melamin- und/oder Harnstoff-Formaldehydharzen. Bambuspulver oder Maisstärke dienen dann nur als Füllstoffe.

„Viele der Gefäße geben beim Kontakt mit heißen Speisen und Getränken Melamin oder Formaldehyd an das Lebensmittel ab – wie verschiedene Untersuchungen und Produktrückrufe zeigen“, so die Beraterin. Melamin kann zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen. Formaldehyd ist inzwischen als wahrscheinlich krebserregend beim Menschen eingestuft. Da eine Gesundheitsgefahr für Verbraucher besteht, sind diese Produkte nicht für den Kontakt mit Lebensmitteln zugelassen, werden aber trotzdem verkauft. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und die Verbraucherzentralen fordern daher Behörden und Bundesregierung auf, die Produkte umfassend und schnell zurückzurufen.

Verbraucher können Bambus-Geschirr, dass aus einer Mischung aus Bambusmehl und Melaminharz oder Harnstoff-Formaldehydharz besteht, an seiner matten Oberfläche erkennen. Geschirr aus reinem Bambus hat dagegen eine holzähnliche Maserung und Faserstruktur. Von reinem, unbehandelten Bambus wie bei Schneidebrettern geht keine Gefahr aus. „Wir empfehlen Verbrauchern Mehrweg-Geschirr und Mehrweg-Coffee-to-go-Becher aus Edelstahl, Glas und Porzellan oder schadstoffarmen Kunststoffen wie Polypropylen“, so Wrobel. Sie schonen zudem die Umwelt, da sie helfen, Müll zu vermeiden. Kunststoffgeschirr mit Bambusbeimischung sollten Verbraucher hingegen nicht für Lebensmittel verwenden.

Lebensmittel-Forum: Verbraucher:innen fragen, Expert:innen antworten

Verbraucher, die Fragen zu Bambus-Geschirr, nachhaltigen Alternativen von Einweg-Geschirr und Coffee-to-go-Bechern oder anderen Themen rund um Lebensmittel und Ernährung haben, können ihre Fragen im Lebensmittel-Forum stellen: https://www.lebensmittel-forum.de/. Die Expertinnen und Experten der Verbraucherzentralen antworten kostenlos.

Über die Verbraucherzentrale Brandenburg e.V.

Die Verbraucherzentrale Brandenburg e.V. (VZB) ist die wichtigste Interessenvertretung der Brandenburger Verbraucher:innen gegenüber Politik und Wirtschaft. Sie bietet unabhängige Verbraucherberatung, -information und -bildung zu zahlreichen Themen: Markt & Recht, Reise & Freizeit, Finanzen & Versicherungen, Lebensmittel & Ernährung, Digitales & Telekommunikation, Energie, Bauen & Wohnen. Zudem berät sie zu deutsch-polnischem Verbraucherrecht.

Darüber hinaus mahnt die VZB Unternehmen ab, die zu Ungunsten von Verbraucher:innen gegen geltendes Recht verstoßen und klärt die Öffentlichkeit über Verbraucherrechte, Abzockmaschen und Spartipps auf.

Aktuelle Informationen gibt es auf www.verbraucherzentrale-brandenburg.de

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