#wirhörendirzu – Brandenburg startet landesweite Kinderschutzkampagne im Netz

Jugendministerin Ernst hat in Potsdam den Startschuss für die landesweite Kinderschutzkampagne #wirhoerendirzu! gegeben. Mit dieser Online-Kampagne sollen Kindern und Jugendlichen sowie deren Umfeld Unterstützungswege aufgezeigt und die breite Öffentlichkeit zum Thema Kinderschutz sensibilisiert werden.

 

Jugendministerin Britta Ernst: „Die zentrale Botschaft an die Kinder und Jugendlichen heißt: Wir hören dir zu! Wir wollen, dass ihr in krisenhaften Situationen schnell Beratung und Hilfe bekommt und wisst, wo ihr im Notfall auch Schutz erhaltet. An die Erwachsenen gerichtet, unterstreicht die Kampagne: Jeder einzelne Erwachsene kann auch etwas tun: Indem er oder sie genau hinschaut beziehungsweise hinhört), ob es dem Kind in der Nachbarschaft gut geht. Der Schutz aller Kinder und Jugendlichen ist eine zentrale Aufgabe und liegt mir sehr am Herzen.“

Innenminister Michael Stübgen: „Es handelt sich um eine Binsenweisheit – aber sie kann nicht häufig genug ausgesprochen werden: Kinder gehören zu den schwächsten Mitgliedern unserer Gesellschaft. Wir müssen alles tun, damit sie ohne Gewalt, Misshandlungen oder Vernachlässigung aufwachsen können. Als Innenminister bin ich auch Vorsitzender des Landespräventionsrates, der sich seit seiner Gründung vor 20 Jahren für den Kinderschutz einsetzt. Es ist daher selbstverständlich, dass wir die Kampagne „Wir hören dir zu“ unterstützen. Ich hoffe sehr, dass die Kampagne ihre Ziele erreicht und mit dazu beiträgt, dass mehr Kinder und Jugendliche ohne Angst und Gewalt in Brandenburg aufwachsen können.“

Leiter der Fachstelle Kinderschutz im Land Brandenburg Hans Leitner: „Eine wesentliche Aufgabe der Fachstelle Kinderschutz ist es die Jugendämter Brandenburgs in ihrer Kinderschutzarbeit fachlich zu unterstützen. Nicht erst seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie ist es eine Herausforderung für die Jugendhilfe Kinder und Jugendliche mit Hilfs-, Unterstützungs- und ggf. Schutzangeboten zeitnah zu erreichen, um sie im besten Fall bereits präventiv vor Gefahren zu schützen. Damit steht die Kampagne zwar im Zeichen der besonderen Bedingungen der heutigen Zeit, wird aber auch darüber hinaus ein Beitrag zur Qualifizierung der Kinderschutzarbeit im Land Brandenburg sein. #wirhoerendirzu! ist der Leitgedanke einer erfolgreichen Kinderschutzarbeit, denn nur wer (zu)hört, kann erkennen und zum Schutz von Kindern und Jugendlichen handeln.“

 

Mit der pandemiebedingten Schließung von Kindertagesstätten, Schulen und Jugendfreizeiteinrichtungen ist ein wesentlicher Teil der Ansprechpartner*innen für die jungen Menschen und damit auch der Meldeketten zum Kinderschutz ersatzlos weggebrochen, konnten familiäre Krisen und Kindeswohlgefährdungen mitunter erst später erkannt werden. In dieser Zeit hat sich gezeigt, wie wichtig funktionierende regionale Netzwerke und Meldeketten und eine hohe Sensibilität der Öffentlichkeit sind, um drohender Vernachlässigung, Misshandlung und Gewalt gegen Kinder und Jugendliche entgegen zu wirken. Die Kindeschutzkampagne #wirhoerendirzu! soll insbesondere die Arbeit der kommunalen Jugendämter zur Gewährleistung des Kinderschutzes unterstützen und das Wohl von Kindern und Jugendlichen noch besser schützen.

Die regionalen Jugendämter haben jeweils eigene Videoclips produziert, mit denen sie Kinder und Jugendliche direkt ansprechen und über ihre Hilfe- und Unterstützungsangebote vor Ort informieren. Die Landkreise und kreisfreien Städte werben mit einem eigenen Gesicht aus der Region, einer Botschafterin oder einem Botschafter für Engagement zum Schutz von Kindern und Jugendlichen.

Mit der Durchführung der Kinderschutzkampagne #wirhoerendirzu! ist die Fachstelle Kinderschutz im Land Brandenburg betraut. Das Jugendministerium stellt dafür 8.500 Euro bereit. Kooperationspartner sind der Landespräventionsrat Brandenburg sowie die Start gGmbH mit dem Kinderschutzfond, die sich jeweils mit zusätzlichen Mitteln in Höhe von 5.000 Euro beteiligen. In Kooperation mit dem Landesjugendring Brandenburg e.V., der Aktion Kinder- und Jugendschutz Brandenburg e.V., dem Kompetenzzentrum Kinder- und Jugendbeteiligung, dem Fachverband Jugendarbeit / Jugendsozialarbeit Brandenburg e.V., dem Landessportbund Brandenburg e.V., der Brandenburgisches Sportjugend sowie dem Landespräventionsrat Brandenburg erfolgt eine weitere Verbreitung über Social Media Netzwerke wie Facebook, Instagram und YouTube.

Zusätzlich zur Social Media Kampagne stellt das Jugendministerium den kommunalen Jugendämtern 4.000 Euro für rund 2.000 Plakate, 500 Flyer und 2.000 Broschüren zur Verfügung. Die Printmedien sollen in öffentlichen Räumen, wie Beratungsstellen, Ämtern, Schulen auf den Kinderschutz aufmerksam zu machen.

 

Hintergrund zu Kindeswohlgefährdungen

Im Jahr 2018 wurden rund 6.000 Verfahren zur Einschätzung einer Kindeswohlgefährdung von den Jugendämtern im Land Brandenburg durchgeführt. 2019 erhöhte sich die Anzahl der Verfahren auf rund 6.860 Verfahren um 14 Prozent. Im Ergebnis der Gefährdungseinschätzung wurden durch die Jugendämter 2019 fast 2.500 Kindeswohlgefährdungen festgestellt. Bei etwa einem Drittel der geprüften Verfahren lag keine Kindeswohlgefährdung vor, jedoch ein Hilfebedarf für die Kinder und deren Familien. Für die Zeit des Shutdown in 2020 liegen noch keine Zahlen vor.

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