Woidke zur Eröffnung des Seminarhauses über der früheren Synagoge in Schwedt: „Ein Ort des Gedenkens und der Zusammenkunft“

Ein blühender Ort für Toleranz und Völkerverständigung: Über dem Bodendenkmal der früheren Synagoge in Schwedt wurde heute ein neues Seminarhaus eröffnet. In seiner Ansprache betonte Ministerpräsident Dietmar Woidke: „Das Gebäudeensemble der früheren Jüdischen Gemeinde Schwedt mit den einst blühenden Maulbeerbäumen galt seit jeher als eines der wichtigsten jüdischen Denkmale in Brandenburg. Die heutige Eröffnung zeigt auf beeindruckende und berührende Weise, wie umfassend die Wiedererweckung gelungen ist. Schmerz und Trauer vereinen sich an diesem besonderen Ort mit Gedenken und Wissensvermittlung.“

 

Woidke weiter: „Den ermordeten und vertriebenen Jüdinnen und Juden wird mit einem umfangreichen Angebot des Schwedter Veranstaltungsortes auf ganz unterschiedliche Weise gedacht. Seminare, Vorträge und Ausstellungen geben die Möglichkeit, ins Gespräch zu kommen und regen zum Nachdenken an.“

Wie sehr den Verantwortlichen am Austausch gelegen ist, belegt die Zusammenarbeit der Städtischen Museen Schwedt mit der Universität Szczecin. Das Seminarhaus wird zu einem zentralen Veranstaltungsort eines mit 1,1 Millionen Euro aus EU-Mitteln geförderten deutsch-polnischen Projekts.

Woidke, der auch Polen-Koordinator der Bundesregierung ist, erklärte: „Hier sollen junge Leute aus Polen und Deutschland in Kontakt kommen. Die dunkle Zeit des Nationalsozialismus hat so viel Leid gerade auch über die östlichen Nachbarn Deutschlands gebracht, dass heute und in Zukunft nicht genug für die grenzüberschreitende Verständigung und ein vertrauensvolles Miteinander getan werden kann.“ Im Rahmen des Projekts sind beiderseits der Oder Veranstaltungen und Exkursionen in der Uckermark und in Pommern sowie Vorträge und Workshops in Schwedt und Kulice geplant.

 

Woidke dankte den Einwohnern Schwedts, der Leiterin der Städtischen Museen, Anke Grodon, und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie den Mitgliedern des Fördervereins der Städtischen Museen für ihr Engagement bei der Rettung, Rekonstruktion, Bewahrung und Weiterentwicklung des Gebäudeensembles. Woidke: „Sie alle haben das Areal zu immer schönerer Blüte gebracht. Mit der Freilegung des Synagogenfundaments wurden die Relikte jüdischen Lebens auch für die Öffentlichkeit sichtbar und erhielten zusätzliche Strahlkraft.“

Hintergrund:

Die Jüdische Gemeinde Schwedt, die das Areal Ende des 18. Jahrhunderts erwarb, war die größte jüdische Gemeinde in der Uckermark. Das Häuschen des Synagogendieners, das jüdische Tauchbad, die Mikwe, und die Synagoge waren über 130 Jahre der religiöse Bezugspunkt der Gemeinde. Im Zuge der Novemberpogrome 1938, dem Auftakt für den millionenfachen Massenmord, erstarb das gesamte jüdische Leben in Deutschland und mit ihm die blühende Gemeinde in Schwedt. Von den etwa 135 jüdischen Einwohnerinnen und Einwohnern, die 1930 in Schwedt registriert waren, entschlossen sich in den Folgenjahren viele zur Flucht. Mindestens 70 der aus Schwedt stammenden Jüdinnen und Juden wurden während des Holocaust ermordet. Es gibt in Schwedt bis heute keine Jüdische Gemeinde.

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