„ZDFzoom“ über den Kampf um den Corona-Impfstoff

Das Coronavirus treibt die Impfstoff-Forschung voran wie nie zuvor – mehr als 200 Projekte gibt es weltweit. Wie viele davon die Zulassung schaffen, ist noch ungewiss. Die erste Zulassung eines Corona-Impfstoffes des deutschen Herstellers Biontech könnte noch vor Jahresende erfolgen. Doch bevor alle Menschen weltweit geimpft werden können, dürften noch Jahre vergehen – das Ringen um die Priorisierung hat gerade erst begonnen. „ZDFzoom“ berichtet am Mittwoch, 18. November 2020, 22.45 Uhr, über „Dringend gesucht, unfair verteilt? – Riskanter Kampf um den Corona-Impfstoff“.

Wer wird zuerst geimpft? Diese Frage beschäftigt in Deutschland bereits jetzt Regierung und zuständige Behörden. Auch international ist ein Wettstreit unter den Staaten ausgebrochen, wer Zugriff auf die ersten Chargen bekommt. Laut einer Analyse der Hilfsorganisation Oxfam sollen sich einige wohlhabende Staaten zusammen schon die Hälfte der potenziell verfügbaren Impfstoffdosen führender Kandidaten gesichert haben. Diese Staaten repräsentieren gerade mal 13 Prozent der Weltbevölkerung.

Ärmere Länder befürchten, leer auszugehen. Denn ihnen fehlen die Mittel, um sich Dosen für ihre Bevölkerung zu sichern. Dabei wäre es gerade in armen Ländern wichtig, rasch zu impfen. Dort ist der Kampf gegen die Pandemie viel schwieriger als in wohlhabenden Industrienationen, weil es an Hygieneartikeln und sauberem Wasser fehlt. Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnt vor nationalen Alleingängen: „Wir sind erst sicher, wenn wir alle sicher sind“, so WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus.

Um einen weltweit fairen Zugang zu Corona-Impfstoffen zu ermöglichen, hat sich unter dem Schirm der WHO die Plattform COVAX gegründet. Die Idee: Die Impfstoffe werden von allen Mitgliedstaaten gemeinsam gekauft und dann über einen festgelegten Schlüssel verteilt. Doch einige Staaten stehen dem skeptisch gegenüber – Russland und die USA sind zum Beispiel nicht dabei. Und auch die EU will bei der Verteilung der Impfstoffe über COVAX nicht mitmachen, unterstützt die Initiative aber mit 400 Millionen Euro. Für das Sichern von Dosen im Alleingang hingegen hat sie bereits 2,7 Milliarden Euro bereitgestellt.

Hohe Investitionen sind nötig, um die Corona-Impfstoffe rasch zu entwickeln, deshalb hat die Bundesregierung den aussichtsreichen deutschen Projekten großzügige Unterstützung zukommen lassen. Dennoch befürchtet zum Beispiel „Ärzte ohne Grenzen“, dass die jetzt entwickelten Impfstoffe für ärmere Länder viel zu teuer sind. Das Patentrecht schützt die Hersteller bis zu 20 Jahre lang vor günstigen Nachahmungen ihrer Entwicklungen – schließlich sollen sich die hohen Investitionen für die Herstellerfirmen amortisieren. Kritiker des Patentrechtsystems warnen, dass die derzeitigen Regelungen den Kampf gegen die Corona-Pandemie erschweren können. Indien und Südafrika haben bei der Welthandelsorganisation (WTO) einen Antrag gestellt, geistige Eigentumsrechte im Rahmen der COVID-19-Pandemie auszusetzen.

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