Gedenken an die Reichspogromnacht

Die Reichspogromnacht am 9. November 1938 ragt heraus aus den Erinnerungen an das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte, die zwölf Jahre des „Tausendjährigen Reiches“ von 1933 bis 1945. Diese Nacht, in der ein durch die nationalsozialistische Regierung aufgehetzter Mob landesweit über Menschen jüdischer Abstammung herfiel, ihre Wohnungen und Geschäfte, Synagogen und kulturellen Stätten verwüstete, markiert den Übergang von Ausgrenzung und Drangsalierung zum gezielten Massenmord auf letztlich industrialisierte Weise.

Der 9. November 1938 darf niemals in Vergessenheit geraten, steht warnend und mahnend auch dafür, wohin Ängste, Hass, gezielte Falschinformation und Mangel an Herzensbildung Menschen führen kann.

Traditionell wird dieser Tag auf Initiative des Vorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung Wolfgang Neumann, gemeinsam organisiert von Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Institutionen, in Frankfurt (Oder) zum Anlass genommen, eine Gedenkveranstaltung durchzuführen, die allen offensteht, denen Erinnerung, Information und Prävention wichtig sind.

Am Mittwoch, den 9. November 2022 findet diese von 18 bis etwa 19 Uhr am Synagogengedenkstein am oberen Brunnenplatz statt. Musikalisch umrahmt wird die Gedenkstunde vom Chor der Lebensfreude gemeinsam mit dem Chor der jüdischen Gemeinde Frankfurt (Oder). Nach einleitenden Worten des Vorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung spricht Clara Mägdefrau (Urenkelin der damaligen Widerstandskämpferin Greta Kuckhoff) als Hauptrednerin.

Auch in diesem Jahr begleitet die Europa-Universität Viadrina den bedeutenden Gedenktag mit einer eigenen Veranstaltung. „Ausgewiesen! Polenaktion 1938“ ist der Titel einer Ausstellung, die vom 28.10. bis zum 27.11.2022 in der Marienkirche zu sehen ist und von verschiedenen Veranstaltungsformaten begleitet wird. Am Mittwoch, 9. November wird es u.a. ab 16:00 Uhr einen Vortrag im Rahmen des Forschungskolloquiums des Zentrums für Interdisziplinäre Polenstudien im Logensaal, Logenstraße 11 geben.

Die evangelische Kirchengemeinde Frankfurt (Oder)/Lebus zeigt ab 16:30 Uhr in der Kirche St. Gertraud das Dubstep-Stück „Wir sind in der Hölle!“ (Videoformat), welches an die Geschichte des KZ-Außenlagers Lieberose anknüpft.

Am 9. November wird sich auch das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt (BSOF) am „Tag der Erinnerung“ beteiligen und mit einem musikalisch-literarischen Abend diesen Gedenktag in Frankfurt beschließen. Im Kammermusiksaal der Konzerthalle spielen ab 19.30 Uhr das Catori Quartett des BSOF, Stefan Große Boymann (Kontrabass) und Sebastian Strahl (Klavier) Felix Mendelssohns Streichquartett Nr. 6 und Max Bruchs „Kol Nidrei“ für Kontrabass und Klavier. Oberbürgermeister René Wilke liest dazu aus den Aufzeichnungen des letzten Frankfurter Rabbiners, in denen dieser Zeitzeuge ergreifend auf die Nazi-Zeit und die Verfolgung und Deportation der jüdischen Bürger Frankfurts zurückschaut. Die Konzert-Lesung beginnt nach der Veranstaltung am Gedenkstein der Frankfurter Synagoge. Der Eintritt ist frei.

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