Gedenkveranstaltung zum 84. Jahrestag der Reichspogromnacht

Am 9. November findet anlässlich des Jahrestages der Reichspogromnacht eine Gedenkveranstaltung statt, die um 19:30 Uhr am Platz der Einheit am Standort der ehemaligen Synagoge neben der Hauptpost beginnt. Die Landeshauptstadt Potsdam, die jüdischen Gemeinden, die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Potsdam sowie die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit laden zur Veranstaltung ein. Durch die Veranstaltung führt Susanne Krause-Hinrichs, Geschäftsführerin der F.C. Flick Stiftung. Rabbiner Ariel Kirzon und Stadtkirchenpfarrer Matthias Mieke gestalten gemeinsam den liturgischen Ablauf. Musikalisch wird die Veranstaltung von Hanna Weissgerber begleitet.

Oberbürgermeister Mike Schubert sagt: „Der 9. November lehrt uns leider auch die bittere Wahrheit: Längst ist nicht alles überwunden, vergessen und vergeben. Jahr für Jahr steigt die Zahl antisemitischer Straftaten in unserem Land. In einem zunehmenden gesamtgesellschaftlichen Klima, in dem antisemitische Stereotype und Ressentiments weit verbreitet und akzeptiert sind, in einem solchen Klima werden immer öfter unsere jüdischen Mitmenschen beleidigt und verbal attackiert. Lassen wir es nicht zu, dass ein Klima von Hass und Hetze den Nährboden für Antisemitismus weiter bereitet. Und lassen wir es nicht zu, dass Angst regiert, wo Begegnungen stattfinden sollen. Deswegen ist es wichtig und notwendig, dass wir am 9. November zusammenstehen, uns vor den Opfern der Pogrome verneigen und ein Zeichen gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit setzen.“

Auf der Gedenkveranstaltung werden die erst in diesem Jahr in Potsdam bekannt gewordenen persönlichen Aufzeichnungen von Dr. Ludwig Levy über die Novemberpogrome von 1938 vorgetragen. Dem jüdischen Rechtsanwalt und Stadtverordneten gelang die Flucht aus Deutschland, so dass er den Holocaust überlebte.

Die Reichspogrome im November 1938 markierten den Übergang von der Diskriminierung der Menschen mit jüdischer Herkunft zur systematischen Verfolgung, die in den Holocaust münden sollte. In der vom nationalsozialistischen Regime organisierten und gelenkten Gewaltmaßnahme wurden mehr als 1400 Synagogen, Betstuben und Versammlungsorte sowie tausende Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe zerstört; etwa 30.000 Juden wurden verhaftet und kamen in Konzentrationslager.

In Potsdam brachen in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 Einheiten der SS und der Gestapo in die Potsdamer Synagoge ein, entweihten das Gotteshaus und zerstörten die Einrichtung. Zahlreiche Menschen jüdischer Herkunft wurden festgenommen, verschleppt und gefoltert. Sie wurden isoliert, verloren ihre Rechte und ihre Würde.

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