Vergabeverfahren Netz Berlin – Stettin – DB Regio Nordost erhält den Zuschlag

  • Ausbau des Zugangebots zwischen Berlin und Stettin
  • Leistungen im Umfang von ca. 1,3 Millionen Zugkilometern wettbewerblich vergeben
  • ab Ende 2026 deutlich erhöhtes Verkehrsangebot durch den zweigleisigen Ausbau und Elektrifizierung möglich
  • Einsatz von mehr Zügen in verdichteten Takten
  • Neufahrzeugeinsatz mit bis zu 510 Sitzplätzen pro Fahrt

 

Die Länder Berlin und Brandenburg haben den Zuschlag im Wettbewerbsverfahren Netz Berlin-Stettin an die DB Regio Nordost erteilt. Der VBB fungiert als Vergabebüro und hat das Wettbewerbsverfahren Berlin-Stettin im Auftrag der Länder Berlin und Brandenburg durchgeführt. Im zukünftigen Netz Berlin-Stettin wird das Angebot für die Fahrgäste auf der Schiene durch den zweigleisigen Ausbau und den Einsatz von mehr Zügen und Taktverdichtungen deutlich erhöht. Darüber hinaus wird die Strecke von Angermünde nach Stettin vollständig elektrifiziert und ermöglicht so den Einsatz von umweltfreundlichen Elektrofahrzeugen. Die Betriebsaufnahme ist im Dezember 2026 vorgesehen.

 

Mit der jetzigen offiziellen Vergabe des Netzes Berlin-Stettin beabsichtigen die Länder Berlin und Brandenburg als Aufgabenträger des Schienenpersonennahverkehrs die Anbindung des grenzüberschreitenden Regionalverkehrs nach Polen zu verbessern.

Die Vergabe umfasst die neue um ca. 20 Minuten beschleunigte Regionalexpress-Linie RE9 (heute nur Einzelfahrten des RE66) Berlin Flughafen BER T1+2 – Berlin Hbf. – Angermünde – Bundesgrenze – Stettin (Szczecin) sowie die bisherige Regionalbahn RB66 Angermünde – Bundesgrenze – Stettin (Szczecin).

Darüber hinaus enthält das dem Angebot zugrundeliegende Fahrplankonzept saisonale Verlängerungen einiger Fahrten von Stettin (Szczecin) nach Misdroy (Międzyzdroje) und Swinemünde (Świnoujście). Dadurch können neue, attraktive Direktverbindungen zwischen Berlin und der polnischen Ostseeküste hergestellt werden. Mittelfristig ist vorgesehen, an Wochenenden neue Aktivitäten aus „Kultur im Regio“ analog dem bekannten Kulturzug Berlin – Breslau (Wrocław) anzubieten.

Die Elektrifizierung und der Ausbau der bestehenden, überwiegend eingleisigen Strecke zwischen Angermünde und der Bundesgrenze ist ein Projekt des Bundesverkehrswegeplans. Die Länder Berlin und Brandenburg haben sich in den vergangenen Jahren sehr stark für einen darüberhinausgehenden, zweigleisigen Ausbau sowie für längere Bahnsteige eingesetzt. Sie beteiligen sich an Finanzierung dieser zukunftsfesten Erweiterung des Eisenbahnnetzes mit in Summe 100 Millionen Euro. Mit der Elektrifizierung des Streckenabschnitts zwischen Passow und Stettin können die heute genutzten Dieseltriebwagen ersetzt werden und erstmals elektrische Züge durchgehend von Berlin nach Stettin zum Einsatz kommen. Damit setzen die Länder Berlin und Brandenburg ihren Kurs fort, mittelfristig sämtliche Dieselfahrzeuge durch moderne und umweltfreundlichere Züge zu ersetzen.

 

Guido Beermann, Verkehrsminister des Landes Brandenburg: „Mit dem neuen Netz Berlin-Stettin stärken wir nicht nur die Zusammenarbeit in der Euroregion Pomerania zwischen Deutschland und Polen, sondern gehen auch grenzübergreifend einen Schritt in Richtung Verkehrswende. Besonders der zweigleisige Ausbau der Strecke Angermünde – Tantow Grenze und der damit verbundene Einsatz moderner elektrischer Triebfahrzeuge sind ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz. Mehr Züge und eine dichtere, regelmäßige Taktung machen die Verbindung zwischen der Metropolregion Berlin-Brandenburg und der Wojewodschaft Westpommern im Großraum Szczecin/ Stettin und darüber hinaus zur polnischen Ostseeküste noch attraktiver für den Tourismus sowie für Pendlerinnen und Pendler. Mit dem Ziel weiterer Durchbindungen in Richtung polnischer Ostseeküste bietet sich zudem eine Alternative für die heute im Saisonverkehr schon stark touristisch ausgelasteten Strecken Richtung Rostock und Stralsund.“

Bettina Jarasch, Senatorin für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz des Landes Berlin: „Für den Ausbau der Schienenverbindung zwischen Berlin und Stettin ist der Zuschlag an die DB-Regio ein großer Schritt. Diese attraktive Verbindung wird dem Zusammenwachsen der beiden europäischen Metropolregionen einen Riesenschub geben. Stettin rückt näher an Berlin heran – und Berlin näher an Stettin. Und das alles mit mehr Komfort, dichteren Takten und durchgängigem Batterieantrieb, so hier auch ein wichtiger Beitrag für den Klimaschutz geleistet wird.“

 

Thomas Dill, Bereichsleiter Center für Nahverkehrs- und Qualitätsmanagement beim Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB): „An der Stärkung der Schiene geht kein Weg vorbei, wenn wir die Verkehrswende erreichen wollen! Mit dem neuen „Netz Berlin-Stettin“ binden wir nun auch unserer Nachbarland Polen noch enger an die Metropolregion Berlin-Brandenburg an – und umgekehrt. Das sorgt für Kontinuität, Planungssicherheit und mehr Qualität. Mit dem Netz Berlin-Stettin erhöhen wir das Angebot für die Fahrgäste durch mehr Züge und Taktverdichtungen deutlich. Was mich am meisten freut ist, dass durch die Elektrifizierung zukünftig ausschließlich Elektrofahrzeuge zum Einsatz kommen werden. Kein Klimaschutz ohne Verkehrswende und keine Verkehrswende ohne Klimaschutz: Dieser neue grenzüberschreitende Verkehr setzt ein gutes, wertiges Zeichen für den ÖPNV in Berlin und Brandenburg.“

 

Mehr Angebote mit künftig schnellerer und stündlicher Verbindung zwischen Stettin und Berlin

Mit der Elektrifizierung und dem zweigleisigen Ausbau zwischen Angermünde und Stettin (Szczecin) wird das Angebot des Schienenpersonennahverkehrs (SPNV) zwischen Berlin und Stettin (Szczecin) deutlich ausgeweitet, aufgewertet und erheblich beschleunigt.
Auf der Verbindung zwischen Berlin und Stettin (Szczecin) wird es erstmalig einen strukturierten umsteigefreien Zweistundentakt geben, der durch eine weitere zweistündliche Umsteigeverbindung zu einem stündlichen Angebot ergänzt wird. Diese Züge fahren dann neu unter der Linienbezeichnung RE9 statt der heutigen einzelnen Fahrten der RE66 und werden über den Berliner Hauptbahnhof und Südkreuz bis Flughafen BER verlängert. Die Kapazität je Zug wird dabei mit 510 Sitzplätzen nahezu verdoppelt.

In Kombination mit den übrigen Zugangeboten zwischen Berlin und Angermünde sowie ergänzenden Pendelzügen zwischen Angermünde und Stettin gibt es dann insgesamt ein stündliches, schnelles Angebot zwischen Berlin und Stettin, jeweils stündlich abwechselnd zwischen Direktzug und einer Umsteigeverbindung mit verbesserten Anschlüssen in Angermünde. Die Fahrzeit zwischen Berlin und Stettin verkürzt sich in beiden Fällen um rund 20 Minuten auf etwa 90 Minuten.

Zwischen Angermünde und Berlin trägt die Linie RE9 zudem zu einer Angebotsverdichtung bei. Sie fährt zusätzlich zu den bestehenden Zügen des RE3 (Stralsund/Schwedt (Oder) – Angermünde – Berlin) sowie den Fernverkehrszügen zwischen Berlin und Stralsund und ergänzt somit den Fahrtenumfang auf der Strecke zwischen Berlin, Eberswalde und Angermünde auf zwei Fahrten je Stunde und Richtung. Mit der bereits heute fahrenden RB24 werden zwischen Berlin und Eberswalde sogar ganztägig drei Fahrten je Stunde angeboten.

Die Länder Berlin und Brandenburg stehen in Kontakt mit ihrem polnischen Partner, der Wojewodschaft Westpommern, wie das Angebot auf polnischer Seite weiterentwickelt werden kann. Angestrebt sind weitere Durchbindungen z.B. nach Misdroy (Międzyzdroje) und Swinemünde (Świnoujście).

Die Leistungen im Netz Berlin-Stettin umfassen ca. 1,3 Millionen Zugkilometer pro Jahr. Die Laufzeit beträgt ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2026 zwölf Fahrplanjahre.

 

Qualität und Zugausstattung

Es kommen neun vierteilige Neufahrzeuge des Typs FLIRT XL des Herstellers Stadler mit insgesamt 255 Sitzplätzen zum Einsatz.

Die gesetzten Qualitätsstandards im VBB gelten auch für das Netz Berlin-Stettin, z.B. kostenloses Internet per WLAN, Steckdosen sowie zusätzliche USB-C Steckdosen zuzüglich eines für mobile Endgeräte nutzbaren dynamischen Informationsportals, Angabe von Auslastungsinformationen in Echtzeit im Zug und den Apps sowie eines Service- oder Hilferufs. Zudem wird die Kommunikation auch einen Schwerpunkt in polnischer Sprache bekommen.

Weitere Qualitätsverbesserungen sind vorgesehen, wie für den Mobilfunk durchlässige Fensterscheiben, angenehmere Beleuchtung differenziert nach Tageszeiten mit einem fließenden Übergang der Lichtfarbe, bessere Klimatisierung bei hohen Außentemperaturen, ruhigere Sitzbereiche sowie verbesserte Barrierefreiheit.

Mit dem neuen Netz Berlin-Stettin wird der grenzüberschreitende SPNV nach Polen langfristig gesichert und erhält dadurch zusätzlich hohe Planungssicherheit.

Liniennetz Berlin – Stettin ab Dezember 2026

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